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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Alte Wörter



uisgeovid
09.05.01, 23:05
Hallo Robert!
Du hast im Ordner "Lykurgos" das Wort "praßlig" verwendet. Könntest Du es mir bitte erklären. Kommt es von "prassen", hast Du eine Wortbildung auf -lig verwendet, die in dieser weise verniedlichend oder sonstwie im Neuhochdeutschen obsolet ist? Oder liege ich hier falsch, oder vielleicht nur halbfalsch und muss ins Mittelhochdeutsche ausweichen? Allerdings sind diese Wortbildungsphasen des Neuhochdeutschen dann spätestens seit dem 18. Jh. abgeschlossen. Hilf mir mal eben auf die Sprünge bitte.
ein im voraus dankender uis

aerolith
09.05.01, 23:56
Lieber Uis! Det kömmt von prasseln, Krach machen, als ob man einen großen Haufen Tand hinter sich herzöge. Mit PRASSEN hat das nichts zu tun. Jemand, den ich als praßlig bezeichne, der macht viel Lärm um nichts, man könnte es auch sehr philosophisch ausdeuten als der notwendende Lärm ums Nichts, aber das wollen wir doch jetzt nicht ernsthaft versuchen.


Frage an Dich: Was meinst Du mit HALBFALSCH?

uisgeovid
10.05.01, 22:55
Robert, hab Dank für Deine Erklärung. Mit "halbfalsch" meinte ich nicht wirklich etwas von Bedeutung, wollte nur mal zwischendurch ein Wort ohne Bedeutung gebrauchen, macht Spaß sowas. Nun gut, im Wahrig, Wörterbuch der dt. Sprache, findet sich kein Hinweis auf Deinen oben skizzierten Gebrauch des Wortes "prasseln", Feuer im Kamin tut das auch manchmal, ist aber ehe das Holz dann. Du hast also hier eine Bedeutungserweiterung im privaten Kreis stattfinden lassen.

aerolith
21.11.01, 01:48
Ein Freund erzählte mir heute eine gar schaurige Geschichte: Einst war es auf den DDR-Sportschulen üblich, einen Anstands-Hecht zu machen.

Inhalt der Übung: Man springt im Volleyball (wahlweise andere Sportarten, bei denen man ein Spielgerät erreichen muß) nach einem Ball, von dem man weiß, daß man ihn sowieso nicht erreicht. Damit zeigt man wohl seinen guten Willen.
Ergebnis der Übung: Aufgeschlagene Kniescheiben und Kinne.

Es lebe der Sport!

aerolith
23.02.03, 12:56
Etwas entgelten; hat nichts mit Geld zu tun, sondern mit waschen! Der Thüringer nennt noch heute seinen Waschtrog, in dem die wöchentliche Reinigung der Familie stattfindet: Gelte.

aerolith
27.02.03, 12:05
rummenigge hat im Thüringischen folgende Bedeutung: WARUM DENN NICHT?!


Das dürfte einen gewissen Herrn im fernen München beinahe erfreuen.


Noch ein ehemaliger Bayern-Spieler, den die Erfurter in ihrer Sprache schon längst benamt hatten:


STRUNZ(e) - Bezeichnung für ein faules und unordentliches Mädchen. strunzdumm

aerolith
25.12.05, 11:21
Das Wort "Egoist" hat eine interessante Begriffsgeschichte hinter sich: Hieß es einst, einen fremden Standpunkt zu dem eigenen machen, dann aber so tun, als ob man das immer schon gesagt habe, so bedeutet es heute ungefähr das gleiche wie egozentrisch, also sich selbst in das Zentrum seiner selbst zu stellen und alles nämliche darauf zu bewerten.

Ein anderes Wort ist "vernünfteln". Bedeutete es zu Kants Zeiten noch, sich auf dem Boden der Metaphysik und deren Nomenklatur zu bewegen, so nutzt man es heute eher negativ für Menschen, die kleinlich und oberflächlich widersprechen. Zu Kants Zeiten hatte der verloren, der nur verteidigte, der den Glauben und Aberglauben, der das Gefühl und die Welt hinter dem Schein verteidigte. Der vernünftelte dann.
Diejenigen, die das Augenscheinliche als wahr ansahen, anzusehen glaubten und die alten Positionen angriffen, die waren die Sieger, denn ihre Logik schien evident.
Ironischerweise aber nahm Kant selbst, der diese Evidenten anführte, bereits 1781 eine Kehrtwendung vor, die irgendwie bei der philosophiegeschichtlichen Bewertung Kants abhanden kam: Er meinte fortan, daß der Mensch die Dinge NICHT erkennen könne und ihm nur in der Situation des eigenen Handelns das Reich Gottes offenbar werde.
Ich glaube, Kants Philosophie nach 1781 ist nur als Ehrenrettung der Metaphysik zu lesen, als Vernünftelei in seiner ursprünglichen Bedeutung bis Kant.

Richard
03.05.17, 10:36
3. Mai, "Internationaler Tag der Pressefreiheit"
https://de.wikipedia.org/wiki/Internati ... sefreiheit (https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Tag_der_Pressefreiheit)


Das Wort Pressefreiheit findet sich im DTA-Korpus mehr als 400mal, der früheste Treffer ist von 1783. (?)

"Preßfreyheit"

http://www.deutschestextarchiv.de/book/ ... 1777?p=812 (http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/tetens_versuche02_1777?p=812)

aerolith
03.10.17, 11:29
Innerlichkeit (http://wiki.vonwolkenstein.de/doku.php?id=innerlichkeit)besitzt in den letzten Jahren einen negativen Kontext, meist in Verbindung mit Flucht wird es zu einem Prozeß, der Weltabgewandtheit, Lebensferne und Gram thematisiert und damit den Begriff selber diskreditiert.

Allerdings verbinde ich Innerlichkeit, sofern sie ohne Gram gelebt wird, keineswegs mit fehlender Lebenslust, genausowenig, wie ich extemporierte Manie für den Ausdruck exhaltierter Lebensfreude halte. Meist sind es die stillen Menschen, auf deren Wort sehrlichst gehört wird, denn wenn sie etwas sagen, wird es mehr Gewicht haben als das Gewort von denen, die immer, auch ungefragt, ihren Senf zu dazu geben.

Streusalzwiese
15.12.17, 00:03
Feist habe ich schon lange nicht mehr gehört. Der Politisch Unkorrekte sagt: Fett. Der politisch Korrekte sagt: Vollschlank. Der zynisch Korrekte sagt: Horizontal herausgefordert.

aerolith
06.02.18, 17:56
Depossedierung

ein Wort, das für Vertreibung und Enteignung stand
- konnte Völker, Religionen, aber auch Herrscher betreffen, die aus ihrer Herrschaft vertrieben wurden und mitsamt ihren Anhängern ein Land verlassen mußten
- im übertragenen Sinne betraf das auch Symbole, die für bestimmte Vorstellungen standen, die fortan eine neue Bedeutung erhielten: beispielsweise stand das Schwein wie der Esel in Zusammenhang zu Seth, der als Antipode Ägyptens verstanden wurde; mit dem Sieg der Ägypter über ihre Feinde wurden auch Verbote erlassen, beispielsweise das Verbot, Esel- oder Schweinefleisch zu essen. Die Juden übernahmen dieses Verbot. (meint jedenfalls Friedell, S. 134)

Streusalzwiese
07.10.18, 20:18
Lieblingin:
Das Wort hört sich an als wäre es von Genderistas ersonnen, ist aber in Wirklichkeit alt.
https://de.m.wiktionary.org/wiki/Lieblingin

aerolith
21.04.19, 17:05
freudwilligst ist ein von Wilhelm Stapel erfundenes Wort zur Beschreibung seines Wunsches, die Juden in seiner Redaktion als Arbeitskollegen zu begreifen. - Freud, Freude und Selb-Ironie inbegriffen.

aerolith
14.07.19, 18:55
Wilhelm Busch konnte dichten und zeichnen. Fürs Dichten brauchte er angesichts seiner Vorliebe für vierhebige Knittelverse stets neue Wörter, die er selber erfand, Neologismen. Die hier genannten Neuschöpfungen sind heute nicht mehr in Gebrauch. Erstaunlich genug sind es meist Interjektionen.



klicke-klacke,
klickeradoms,
knusper-knasper,
perdums,
ricke-racke,
schnupp


Einzig "schnupp" findet sich heute noch in der adverbialen Verwendung von "Is mir schnuppe!"

eulenspiegel
15.07.19, 07:52
Vielleicht nicht so alt, wie die anderen Wörter hier, doch immerhin so alt, dass meine Kinder- und Enkelgeneration damit nichts mehr anfangen kann:

Perron - Bahnsteig
Manchesterhose - Cordhose
Pullmankappe - Baskenmütze
Bubikopf - kurzer Frauenhaarschnitt
Simperl - Gärkorb für Brotteig aus Rattan

aerolith
08.08.19, 03:48
Im Zuge der Erhebung gegen Napoleon gerierten sich einige Studenten nicht, bereits seit langem ins Deutsche eingedrungene Fremdwörter auszudeutschen. Zuweilen übertrieben sie es:


Nachbursche statt Greis
Lehrbursche statt Professor
Burschenturnplatz statt Vaterland
Vernunftturnplatz statt Universität


Das mit den Plätzen ist natürlich Humbug, denn diese Plätze stammen vom französischen placieren, plassieren im Sinne von "angenehm", sind also selber Lehnwörter. Kann schon passieren, wenn man halbwissend ist. Greis dürfte von grau kommen, ist also kein Lehnwort. Könnte aber auch von Grisine kommen, ist jedenfalls sehr alt.

aerolith
08.09.19, 12:18
"In dieser Welt [im Wien um 1850] gibt es keine Berufe. Die meisten Menschen sind Rentner oder, wie man damals in Wien sagte, Partiküliers." (Friedell)

aerolith
28.09.19, 18:09
ein Antonym zum heutzutage noch gelegentlich benutzten Schwachmut

Starkmut wurde in Zeiten freimaurerischer Tätigkeit dem Erzengel Michael zugewiesen, der mit scharfem zweischneidigem Feuerschwert starkmütig dem Fortschritt die Bahn bereitet

aerolith
01.02.20, 16:07
Lustholz - alte Bezeichnung für eine Harfe oder auch die Zither

Wehmutter - alte Bezeichnung für die Hebamme, deren Bedeutung sich daraus erschließt, daß sie dem Weib des Hauses (das erst durch die Anerkennung ihres Erstgeborenen zur Frau des Hauses wurde) beim Durchschreiten der Wehen half und erst ihr Aufnehmen und Hochheben eines Neugeborenen im Auftrag des Vaters das Kind anerkennen ließ; untersagte der Herr des Hauses das Hochheben, wurde das Kind nicht hochgehoben und allen Insassen des Hauses gezeigt, sondern ausgesetzt

eulenspiegel
07.05.20, 09:55
Meine schlesische Großmutter nannte mich ein verrücktes Kuller, wenn ich es in ihren Augen gar zu toll trieb. Das Wort hab ich ausser von ihr nie wieder gehört. Hier kennt den Ausdruck 'Kuller' niemand.

Hängt wohl zusammen mit kullern, also rollen, kugeln.

Streusalzwiese
07.05.20, 14:37
Ja.

https://de.wiktionary.org/wiki/Kuller

Herkunft:
von mundartlich Kulle (https://de.wiktionary.org/w/index.php?title=Kulle&action=edit&redlink=1), einer Kontraktion (https://de.wiktionary.org/wiki/Kontraktion) von mittelhochdeutsch (https://de.wiktionary.org/wiki/mittelhochdeutsch) kugele (https://de.wiktionary.org/wiki/kugele#kugele_(Mittelhochdeutsch)) → gmh Kugel (https://de.wiktionary.org/wiki/Kugel)[1] (https://de.wiktionary.org/wiki/Kuller#cite_note-1)

aerolith
27.05.20, 16:23
Schiller benutzte statt Egoismus "Egoisterei". Schwäbisch-liebenswert.

eulenspiegel
16.08.20, 10:39
spänne - Konjunktiv II von spinnen. Wer's nicht glaub, schaue nach.

Warum es nicht spönne heisst, möge mir der Herr des Hauses erklären.

aerolith
16.08.20, 17:38
...weil das Spinnen mit dem Spannen zu tun hat. Man spannt mehrere Fäden, die man übereinanderlegt und fest zurrt. Eine Arbeit für Idioten.

"spönne" gefällt mir aber auch gut

eulenspiegel
16.08.20, 20:53
huch, mein Fehler. Ich dachte, spinnen beugt in der Mitvergangenheit nach 'sponn'. Dabei heisst es ja 'spann'; also spinnen, spann, gesponnen und nicht spinnen, sponn, gesponnen.

*Blamiert*

aerolith
24.09.20, 18:24
"wie auch immer" - ist seit zwei Jahren "out", gehört somit als stehende Wendung zu den Archaismen.

Das erfuhr ich eben, was auch immer das bedeuten mag.

eulenspiegel
26.09.20, 09:13
Bankert


Auch der gute, alte Journalist (gesprochen 'Schurnalist') kommt immer mehr abhanden. Vorallem im BRD-Funk verdrängt ihn immer mehr 'Tzurnalist'. Wer sich solche Hässlichkeiten ausdenkt, weiß ich nicht. Sitzen da Leute in den Redaktionsstuben, denen fad ist und denken sich solche Abartigkeiten aus?

aerolith
27.09.20, 16:07
Bierhuhn

alte Beschimpfung für den fettgefreßnen Philister der Kaiserzeit


Alfred Lichtwark (https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Lichtwark) beim Besuch der Jenaer "Rose" im Jahre 1896:

Man sollte nicht denken, daß die magern Idealistengesichter der dreißiger Jahre und die verfetteten blöden Bierhühnertypen unserer Tage demselben Volke angehören.

anderedimension
23.11.20, 09:12
Ich hörte die Tage zum ersten Mal das Wort "abkindern". Unter den Nazis konnten Paare mit dem Kinderkriegen Kredite bedienen. Also für mich ein neues...ansonsten wohl eher ein altes Wort.

Streusalzwiese
23.11.20, 11:56
"Erderwärmung" gehört zu den alten Wörtern, die vom Aussterben bedroht sind. Der Grund: Das Wort "Erwärmung" ist zu schwach. So greifen Medien auf das stärkere Wort "Erhitzung" zurück um auf die brenzlige Situation, in der sich die Erde ihrer Meinung nach befindet, aufmerksam zu machen.
Beispiel:
https://taz.de/Klimaphysiker-ueber-Erderhitzung/!5727110/

Klimaphysiker über Erderhitzung

aerolith
02.04.21, 12:09
Joppe oder Bauernjoppe sind so Worte, die heute kaum mehr benutzt werden. Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden sie es noch. Ich erinnre mich sogar an einen Text, den ein Freund von mir drüber schrieb. Erfahrungen aus den Subbotnik-Einsätzen bei der LPG.

aerolith
03.08.21, 09:39
heute schriebe man wohl spannnagelneu

Ein heute veraltetes Wort für brandneu, hypermodern, up to date und dergleichen andere Unsinnigkeiten. War aber sintemalen ebenfalls ein Neologismus, der kaum verstanden ward, will man Grimm glauben, der das Wort immerhin in sein Wörterbuch aufnahm (https://www.dwds.de/wb/dwb/spannagelneu), aber nicht so recht seine Bedeutung und Herkunft erklären konnte. Mir begegnete es heute beim Lesen eines Nicolai (http://wiki.vonwolkenstein.de/doku.php?id=nicolai)-Textes von 1808, also aus der Hochzeit der Puristen.

eulenspiegel
03.08.21, 09:47
ich kenn nur nagelneu. Spannagelneu ist originell.

Streusalzwiese
03.08.21, 15:14
Ich kenne nigelnagelneu.

eulenspiegel
06.08.21, 09:10
Hallawachel. Wachel.

Das Wort findet sich nicht im Duden, nicht mal Google meldet einen Eintrag in einem der vielen Online-dictionaries. Im täglichen Gebrauch verschwindet es auch. Ich hab es schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gehört und auch selbst nicht benutzt. Heutzutage sowieso nicht. Weil inkompatibel mit dem neugeistigen Schönsprech und Genderirrsinn. Obwohl, es heisst DER Hallawachel. Somit aus genderistischer Sicht unbedenklich.

aerolith
06.08.21, 17:22
Hallawachel. Wachel.

Das Wort findet sich nicht im Duden, nicht mal Google meldet einen Eintrag in einem der vielen Online-dictionaries. Im täglichen Gebrauch verschwindet es auch. Ich hab es schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gehört und auch selbst nicht benutzt. Heutzutage sowieso nicht. Weil inkompatibel mit dem neugeistigen Schönsprech und Genderirrsinn. Obwohl, es heisst DER Hallawachel. Somit aus genderistischer Sicht unbedenklich.google meldet 41 Einträge, sofern Hallawachel "dummer Mensch" bedeuten soll. Schreibweisen: Halawachl, Hallawachl oder Hallawachel. In Ostfalen sagt man Hallodri für "dummer Mensch", auch eine Verballhornung der Halunken, den südwestlichsten Ostfalen in der Gegend von Halle (Saale).

eulenspiegel
06.08.21, 20:54
Ja, es gibt das Wort als Namen in diversen Büchern, Operetten etc. Aber in Wörterbüchern fand ich nix. Wie dem auch sei.

Hallodri ist hierzulande auch bekannt, noch immer gebräuchlich, meint aber eher einen liederlichen, unzuverlässigen Bruder Leichtfuß.

anderedimension
07.08.21, 07:41
Bei uns ist der Hallodri einer, der so vor sich hin "lottert"...ein "Tagträumer", ein "Luftikús", ein "Hans guck in die Luft"...einer, der nicht so richtig bei der Sache ist.

Streusalzwiese
07.08.21, 20:22
Das Feierbiest ist schon veraltet, obwohl es im deutschsprachigen Raum erst gut zehn Jahre alt ist. Louis van Gaal sprach es aus und es erlebte eine kurze Blüte, die sich als Strohfeuer entpuppte. (Ich bin mir der Schiefheit der Metaphorik durchaus bewusst)
Schade, mir gefällt das Wort. Der "Partylöwe" ist kein gleichwertiger Ersatz für das Wort. Wenn man sich über die Feierbiester in der Nachbarwohnung echauffiert, oder über Feierbiester, die durch die Straßen ziehen, dann ist das Wort alternativlos.

eulenspiegel
08.08.21, 09:38
ausschnapsen - aushandeln, abmachen, mit dem Hauch der Mauschelei, heimlicher Machenschaften

das Verb kommt vom Kartenspiel Schnapsen. Tatsächlich wurden und werden heute noch gewisse Dinge durch eine Runde Schnapsen entschieden. Schnapsen ist eine Variante des Sechsundsechzig, das man zu zweit, dritt oder auch zu viert spielen kann.

aerolith
08.08.21, 13:16
Ein Wort in Bärlin für die Gefährte, die in vorkanalisatorischen Zeiten den Kot einsammelten. Die Wagen wurden von Frauen begleitet, die in die Häuser gingen und dort die Koteimer einsammelten, um sie in diesem Wagen zu verstauen. Nuglisch.

Es gibt eine feministische Schriftstellerin namens Sophie Nuglisch. Ob das ein Pseudonym ist, ein nomen est omen?

aerolith
24.11.21, 17:33
Unikat von Lem, benutzt in der Erzählung "Patrouille" zur Beschreibung eines Zustandes, dem Kosmonauten ausgesetzt sein sollen, wenn sie allein einen Sektor im Weltraum kontrollieren müssen. Astrolangeweile.

aerolith
30.12.21, 22:08
Gestern entdeckte ich auf einer Informationstafel das alte Wort "Eiruhe". Rehe tragen ihre Jungen sehr lange aus. Nach der Befruchtung der Eizelle ruht die Entwicklung einige Monate. Bei Dachsen soll das auch so sein.

aerolith
25.01.22, 21:52
Heute bei M.A.S.H. gehört, eine Bestellung am Frühstücksbufet um 1950:

"Einmal hartgekochte Eier und eine Scheibe vom Zweiterweltkriegrestbestandsbrot."

(P.S. Wenn es nicht so traurig wäre... die Serie ist zum brüllen.)

eulenspiegel
21.02.22, 09:52
die Strauken

div. Wörterbücher führen es als Synonym für Schnupfen; Ich weiß nicht, meine öst. Grußmutter verwendete es für Husten. Inzwischen völlig ausser Gebrauch.

eulenspiegel
08.03.22, 10:59
Das Wienerische, insbesonders die wiener Gaunersprache, ist reich durchsetzt mit jiddischen Wörtern. Ein paar, die ich noch kenne und die kaum noch gebräuchlich sind, sollen hier aufgeführt werden.


mebulbel ..... verwirrt, schwindlig (kognitiv), benommen

Schmäh ...... heute: Ulk, Streich, Aufschneiderei, Irreführung, Spaß, List, Schwindel, Lüge; kommt vom hebräischen Schema .... Erzählung, Gehörtes

Mischboches ..... Verwandtschaft

Mezzie .... Schnäppchen, Okkasion, guter Kauf

aerolith
11.03.22, 15:26
Hökerin, etwas verhökern In den guten Kaiserzeiten führten nicht wenige Hausierer Wägelchen durchs Land, auf den Waren des täglichen Bedarfs lagen. Sie hausierten, sie verhökerten ihre Ware, meist zum Unkostenpreis kurz vor Ende des Tages. Obst, Gemüse, so was eben.

aerolith
22.03.22, 05:57
etwas unterm Gürtel tragen - alte Redeweise für "schwanger sein" oder "eine produktive Leistung erbracht haben"

soll nach Grimm heidnischen Ursprungs sein; wird auch im Metal-Rock-Milieu für die Zahl eingespielter Lieder resp. Tonträger benutzt