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Thema: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

  1. #26
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    das Friedman-Zitat ist authentisch.


    kyra,


    regelrecht zum Totlachen: Ossi sind 1. doof, 2. braun, 3. antisemitisch


    Titanics Beitrag zur inneren Einheit. Respekt.


    K.

  2. #27
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    Das frage ich mich allerdings auch schon seit einigen Jahren, warum die Juden aus aller Welt nicht nach Israel gehen. Was hindert die amerikanischen Juden, was die rumänischen, bulgarischen, französischen, deutschen... Es gibt in Israel starke Stimmen gegen die seit kurzem einwandernden russischen Juden, die gefragt werden. "Wo wart ihr, als wir hier alles aufbauen mußten?"
    Und es wundert mich schon sehr, daß ausgerechnet aus Rußland viele Juden nach Deutschland einwandern, will man den Zahlen glauben.
    Wenn ein Jude hier leben will, dann hat das seinen Grund. Welcher könnte es sein? Welchen Grund hat Herr F., hier zu leben? Das deutsche zweite -n hat er schon abgelegt. Andererseits sollte es so sein, daß jeder Mensch auf der Welt bestimmen darf, wo er leben möchte, und dies sollte er dann auch tun dürfen. Es darf also so etwas wie Asylrecht nicht geben, weil jeder überall wohnen darf, solange er sich an die Gesetze des Landes hält. Er dürfte aber auch keine staatliche finanzielle Unterstützung bekommen, auch keine Kasernierung... Private Initiative ist da gefragt. Wiederum dürfen natürlich die Eingeborenen nicht benachteiligt werden, also die Ausgeborenen dürfen nicht die gleichen Rechte besitzen. Diese müßten sie sich erst erwerben. (Gemeint sind solche Dinge wie Wahlrecht, Steuervergünstigungen, Sozialhilfe, Rente, Wohnrecht, Kindergeld...) Logisch, oder? Also, ich trete nicht dafür ein, jemanden wegen seiner Art auszuweisen, besonders, wenn er kein Deutscher ist. (Damit müssen sich die Einheimischen auseinandersetzen, denn genau dieses Fremde und zuweilen Nervende im eigenen Land sollte es doch sein, was die Berechtigung fürs Einreisen und Dulden und letztlich Integrieren des Fremden beinhaltet..) Es sei denn, der Landesfremde hat Gesetze gebrochen, ganz egal, welche. Herr F. hat kein Gesetz gebrochen, wenn ich es mir recht überlege. Er hat nur eine häßliche Art, aber die haben viele, ich auch. Aber ich darf das, mir gehört der Laden hier.
    Wenn ich nach Israel auswandern wollte, wo man mich niemals als Juden akzeptieren würde, weil die Juden Rassisten sind und keinen Deutschen ohne jüdische Vorfahren als Juden anerkennen (Blut ist wichtiger als Überzeugung!), dann hätte ich dort sicherlich keinen leichten Stand. Andererseits sind sehr viele Juden gemeiniglich religiös indifferent, um es freundlich zu sagen. Ich glaube also, daß ich dort vielleicht entwurzelt leben könnte. Aber ich bin ein schlechtes Beispiel, meine Familie ist seit ca. 500 Jahren aus dieser Ecke -die ja eigentlich die Mitte ist- Deutschlands nicht weggekommen, ich selbst hege auch keine Ambitionen in diese Richtung, hab hier genug zu tun..


    Worauf ich hinauswill: Ich lache gelegentlich auch ganz herzlich über die Scherze der TITANIC-Leute, letztlich aber sind sie in ihrer Weltwahrnehmung sehr begrenzt, weil: Man muß als Karikaturist und Zyniker eine begrenzte Sicht der Dinge besitzen, sonst verliert man an Schärfe. Und darum sind es immer die gleichen Witze, was mich schnell langweilt. Also, Kassandra, leg da nicht jedes Wort, was geschrieben und photographiert, auf die Goldwaage. Die angenannten Plakate sind getürkt (zudem mit falscher Orthographie versehen; zwei Fehler bei drei Worten: wow!); kein FDP-Vorstand genehmigt Plakate mit dem genannten Inhalt. Und diese Vorstände müssen jedes Werbeplakat genehmigen. So einfach ist das. Wenn man genau hinschaut, dann sieht man auch, daß das WEHR-Schild nur drübergehalten wird. Das Mundverkleben dagegen ist echt. Und daran kann ich zwar Anstoß nehmen, aber ich will nicht. Vielleicht morgen.

  3. #28
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    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    @ Kassandra
    regelrecht zum Totlachen: Ossi sind 1. doof, 2. braun, 3. antisemitisch




    da kannst Du mal sehen, mir war es nicht aufgefallen, daß es Ossis waren. Ich habe nicht auf den Namen der Stadt geachtet. Das wäre auch hier genauso abgelaufen. Siehe Warendorf in Panorama. Also keine Komplexe, ihre seid auch nicht gleicher.


    Robert, Du schriebst:
    Wiederum dürfen natürlich die Eingeborenen nicht benachteiligt werden, also die Ausgeborenen dürfen nicht die gleichen Rechte besitzen. Diese müßten sie sich erst erwerben. (Gemeint sind solche Dinge wie Wahlrecht, Steuervergünstigungen, Sozialhilfe, Rente, Wohnrecht, Kindergeld...) Logisch, oder?


    Wodurch müssten sie sich die Rechte erwerben? Geld mitbringen? Das ist in vielen Ländern üblich zur Einwanderung. Oder die Sprache? Oder was sonst? Und warum keine Rente, wenn sie z.B. ihr Leben lang hier gearbeitet haben? Und was ist mit den Kindern die hier geboren werden? Es ist alles nicht so einfach.

  4. #29
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Question AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    Kyra-Mauß, diese Fragen sind nur angesprochen, aber sie sind nicht Thema dieses Ordners. Ich will sie hier auch nicht zum Thema machen. Bleiben wir noch ein bißchen bei M. und F.
    Wer hat denn nun den Boxkampf gewonnen? Ich hatte fünf Euro auf F. gesetzt. Hab ich gewonnen?

  5. #30
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    Wer hat gewonnen?


    Naja, Kyra und Robert, ich denke nicht, daß F. gewonnen hat. Und wenn doch, dann war es ein Pyrrhus-Sieg. Man kann sich durchsetzen und doch verlieren. Das ist geschehen.




    Gruß
    K.

  6. #31
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    Question AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    @Robert - Sind deutsche Juden für Dich Landesfremde!?

  7. #32
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    kömmt darauf an, wie lange sie in d sind, wie viele kriege sie für d mitfochten, wie viele in deutscher erde begraben liegen, welcher sprache sie sich untereinander, miteinander und durcheinander bedienen, ob sie im knast waren, worte in bücher bannten, kinder aßen, schornsteinfeger verprügelten... wer gerade ankömmt, kann nicht als deutscher gelten;
    um es auf den punkt zu bringen: man kann nicht diener zweier herren sein. das besondere am judentum ist so ne art unvereinbarkeitsklausel: die juden sehen sich als das erwählte volk. sie sind eine religiöse gemeinschaft, die zugleich eine nation sein will. so was wie einen deutschen juden gibt es also nicht. nach jüdischer lehre ist man jude, aber nicht zugleich was anderes, weil es für sie eine frage des blutes ist.

    um die frage zu beantworten: landesfremde müssen sie nicht sein, juden, aber deutsche können sie von sich aus schon nicht werden, ganz unabhängig davon, was ein deutsches gesetz dazu sagt.

  8. #33
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    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    hier noch was zum Thema aus der SZ http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/artikel2551.php

  9. #34
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    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    Die Tendenz des Artikels gefällt mir, aber ich spüre auch die angezogene Handbremse; der Mann will sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, schert sich selbst. Wahrscheinlich schmeckt seine Unterlippe Kastratenblut.

    Das ist das Leichenbegräbnis für die FDP, wenn sie M. jetzt zu Grabe tragen will. Das ist das Ende des freiheitlichen Gedankens in der bundesdeutschen Nachkriegsdemokratie, wenn einer mundtot und politisch totgemacht wird, weil er Kritik an einem Juden übte, den er nun einmal nicht leiden mochte. Als Nichtjude darf er das in Deutschland nicht. Das ist politisch nicht korrekt.
    Und M. dachte wohl, daß es mit der Demokratie in D inzwischen soweit sei, auch bislang stillschweigend Unterdrücktes einmal Sprache werden lassen zu dürfen. Was aber Sprache fand, das ist wirklich. Und was wirklich ist, das muß auch Sprache werden.


    Und was nicht Sprache werden kann, davon dürfen wir nicht schweigen. Eben nicht. Schon gar nicht wir Wortler, wir Menschen des Wortes. Wir dürfen uns das nicht gefallen lassen. Es geht gegen die Architektur des Ganzen, gegen Meinungsfreiheit und Kritikfähigkeit in einem Gemeinwesen, gegen alles, was ich Recht, Freiheit und Gerechtigkeit nennen möchte, gegen Demokratie, die doch davon lebt, daß auch Minderheiten ihr Wortrecht und ihre Mitsprache finden.


    Es sollte mich nicht wundern, wenn die gegen M. gemachten Anschuldigungen des Verstoßes gegen das Parteienspendegesetz sich als haltlos herausstellen sollten. Ihren Zweck (warum es diese Vorwürfe und Untersuchungen nunmehr gibt) haben sie längst erfüllt. M. wurde politisch desavouiert. Und zu welchem Preis?
    Damit der Filz weiter wachse, undurchsichtiger werde, die Sprache und der geist weiter verkümmre, damit die Menschen gleichgeschaltet werden, um sie weiter bestens manipulieren und maßregeln zu können.
    Wer hat den Nutzen von einer Maßregelung M.s? Die jetzt an den Hebeln sitzen, in einer Oppositionspartei, die diesen Namen schon längst nicht mehr verdient.
    Fragen wir in diese Richtung!


    P.S. Erste Spätfolge: Der Absturz der FPÖ in Östreich.

    Und jetzt kömmt der Gegenschlag! Ich warte schon lange drauf. Eine neue Alternative muß her, eine ein wenig rechts von der hiesigen FDP. Potential? 20%, würd ich meinen.
    Warten wir die Argumentation ab und suchen nach einem Namen! FREIHEITLICHE PARTEI? LIBERALDEMOKRATISCHE PARTEI? Hm, die gab's doch schon mal. Oder vielleicht GRAUBÜNDLERISCHE UNIMOG...


    Ein Namen! Gebt dem Kind einen Namen!

  10. #35
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    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    Schillernde Spendensammler?

  11. #36
    rodbertus
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    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    Was passiert eigentlich, wenn sich herausstellt, daß M. nichts Illegales tat, wie er ja behauptet?


    Ich will mich jetzt ganz weit aus dem Fenster hinauslehnen und mitteilen, daß ich eine FREIE PARTEI - wie auch immer die dann heißen kann, die es sich auf die Fahnen schreibt, Dinge beim Namen zu nennen und sich nicht auf das zu stützen, was politisch korrekt ist, daß ich diese Partei nach Prüfung, bei allem Vorbehalt, das ich Parteien als Teilganzmenge der Gesellschaft nun mal habe, unterstützen würde. Allerdings würde ich eine solche neue Partei nicht unterstützen, wenn ihr Gründer nur aus einer Trotzhandlung heraus (nachdem er wegen illegaler Machenschaften aus seiner einstigen Partei gechast wurde) diese neue Partei gründete. Es müßte also sichergestellt sein, daß M. NUR auf eigene Faust handelte, aber nichts Illegales tat.

  12. #37
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    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    bei uns gibts doch schon eine freiheitliche partei. denen sind ein paar mitglieder abhanden gekommen. und reichsdeutsche nehmen die sicher auf.

  13. #38
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    Keine schlechte Idee, obwohl mir die FPÖ ein wenig parteispendenskandalaffin vorkömmt, so von der Art "Amigo-Partei" scheint sie mir zu sein. So ganz wohl ist mir bei der Überlegung auch nicht, mit einem, der sich nicht entblödet, in ein Stadion mit dem Fallschirm zu springen, also mit so einem Polit-Kaspar gemeinsame Sache zu machen.
    Oder mit einem Hysteriker wie dem Haider-Jörg gar auch nur ein Abendessen durchzustehen; andererseits führt deren selbstgerechte Attitüde auch dazu, daß sie das, was sie machen, mit ganzer Kraft und mit ungebrochenem Herzens tun, was sie mir eben sympathisch macht. Und wer will schon bei Null anfangen?


    Ich vermute mal, daß Haider und M. dann gemeinsame Sache machen würden, in Bayern beginnend, was ja so eine Art Zwischenglied zwischen Reichsdeutschland und Restdeutschland bildet.


    Andererseits sind solche Leute relativ leicht zu lenken. Was mir geborenem Dramatiker dann ein Schoßhündchen bescheren würde...

  14. #39
    Bauer Hans
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    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    Liberitas Bavariae! Wir sind ein wunderschönes Urlaubsland, bei uns darf sich jeder Depp sauwohl fühlen.... im Urlaub.

  15. #40
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    []Original erstellt von Robert:
    Das ist das Leichenbegräbnis für die FDP, wenn sie M. jetzt zu Grabe tragen will. (...)
    P.S. Erste Spätfolge: Der Absturz der FPÖ in Östreich.
    [/quote]


    Mensch Robert, was hast Du nur für eine prophetische Gabe, besonders die Wortwahl, "Absturz"....
    Armer Immunitätsausschuß, wie müssen sich die Leute fühlen. Überrascht hat mich, daß der Michel nix an diesem Tag verbreitet hat. Kommt sicher noch.

  16. #41
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    Ausnahmsweise ein Eigenzitat (aus dem Eingangsbeitrag):
    Deshalb hassen sie ihn, den Herrn M., und deshalb werden sie keine Ruhe geben, bis sie ihn "erlegt" haben, den Verräter, den sie an ihrem Busen (der hochdotierten Abgeordneten- und Aufsichtsratssessel) genährt haben, und der jetzt so furchtbar unüberlegt aus der Reihe tanzt.

    Jetzt haben sie es geschafft.


    K.

  17. #42
    IlluminatenKiller
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    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    Nun, da hat sich ja einiges rund um den "lieben" M. zusammengetragen, doch aus meiner Sicht scheint das ganze ein wenig tiefgreifender zu sein und wird nur ansatzweise erkannt und/oder angesprochen.
    Bei den ganzen Aktionen und Meinungen dürfte es eigentlich absolut nicht verwundern, daß der "liebe" Mr. M. nun nicht mehr unter uns weilt.
    WARUM WOHL???
    Nun, könnte es nicht eher sein, daß sein "Dahinscheiden" etwas damit zu tun hat, daß er auf dem besten Wege war, eine eigene, unabhängige Partei zu gründen, die sich sämtlichen Kontrollismus entzogen hätte und den einzelnen Menschen innerhalb von Deutschland damit die Basis eines "freien" Gedankenguts mit eigenverantwortlichen Mustern gegeben hätte?
    Dies ist eine wesentlich größere Gefahr für die "manipulierende" Vorherrschaften, welche zur Zeit aktiv sind und unsere Denkweisen auf die vielfältigste Art hin zu Ihren gewünschten Gunsten hin ausrichten und die meisten sind sich dessen überhaupt nicht "bewußt".
    Mich verwundert es jedenfalls überhaupt nicht, daß nach dem Ableben einer solch wichtigen Person mittlerweile die Mehrheit der Massen diesen überhaupt nicht vermissen und es zudem auch noch für "gut" verheißen. Dieses sollte uns doch gewaltig zum Nachdenken geben...
    Warum seinem Gegenspieler kaum etwas näher gebracht wird scheint nun ja wirklich einige interessiert zu haben, doch haben sich diese Gedankengänge wieder verflüchtigt oder ist immer noch das Interesse vorhanden, dahinter zu kommen???
    Es ist schon wirklich eine Schande, wenn in unserem soo demokratischen Land ein Politiker noch nicht einmal seine eigene persönliche Meinung haben darf und diese dann wagt, auch noch auszusprechen, denn in einem sollte man sich nicht irren, eine Demokratie ist nur dann eine Demokratie, wenn es einem Staatsoberhaupt auch erlaubt sein darf, solche Meinungen vertreten zu dürfen, oder sind diese Personen nicht von dem Volke in diese Positionen gewählt worden?!?
    Na ja, wie dem auch sei, mit dem Verhalten, den Aussagen und den damit einhergehenden Konsequenzen unserer Staatsspitze nebst dem Bundeskanzler scheint ja das deutsche Volk voll und ganz einverstanden zu sein...


    Ich würde mir jedenfalls mehrere solcher Personen wünschen, die das entsprechende Rückgrat besitzen, ihre Meinungen in diesem Bereichen auch kund tun zu dürfen. Zumindest war es doch sehr verwunderlich, wie man mit diesen Aussagen umgegangen ist und Mr. M. versucht hat ins absolute AUS zu manövrieren. Laßt sein Ableben nicht so ohne weiteres in die Vergessenheit fallen, denn er hat uns dadurch ein WARNSIGNAL bereitet, welches andere "Kreise" verheimlichen und verhindern wollen.


    Ich wünsche mir, daß mehrere Menschen sich noch darüber Gedanken machen, weshalb Mr. M. nun nicht mehr unter uns weilt...

  18. #43
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    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    friedmann hat ein en neuen feind: sarrazin. mehr gleich dazu.


    Man hätte Griechenland 2010 in die Insolvenz schicken müssen. Nichts ist quälender als eine verschleppte Bankrotterklärung, ein jahrelanges Hängen am Tropf anderer ohne wirkliche Aussicht auf Besserung. Rettungsschirme bringen nur neue Abhängigkeiten und ändern nichts an den Ursachen: das Faß ohne Boden bleibt unterhalb des Rettungsschirm zuhanden. Die flankierenden Maßnahmen wirken politisch verheerend, weil sie den betroffenen Ländern quasi von außerhalb und in schulmeisterlicher Art vorschreiben, was sie zu tun haben, was Südländern bitter aufstößt, egal ob Grieche, Franzose oder Italiener, gar erst dem stolzen Spanier.

    Der Streit zwischen S. und F. ist ein Grundsatzstreit. Auf der einen Seite der wurzellose Jude, der die Welt als seine Heimat betrachtet (insofern nicht wurzellos ist) und demnach eine Weltregierung als historischen Fortschritt apostrophiert, dem jede nationale Besonderheit verdächtig vorkömmt, da sie ihm als Erwähltheitsdünkel bitter aufstößt oder schlimmer noch, mit Kriegsgefahr verbunden ist, dem eine Lehre aus der Geschichte die Abschaffung nationalen Denkens deucht und der zugleich alles angreift, was besonders sein will, ohne selbst darauf verzichten zu wollen, besonders zu sein.
    Auf der anderen Seite die Denke jener, die das Nationale als eine artifizielle Eigenschaft des Menschen begreifen und darauf sinnen, diese Eigentümlichkeiten zu entwickeln. Ihnen bedeutet Sprache, Herkunft und Freiheit etwas. Sie wollen über sich selbst bestimmen und sich nicht bestimmen lassen. Sie neigen dazu, in der Beharrung auf das ihnen Eingeborene zugleich das ihnen Fremde als Bedrohung oder Beschneidung zu erahnen, das sie ausgrenzen oder schlichtweg auf das ihnen Zupassende reduzieren wollen.

    Der Streit ist alt und wird in Deutschland schon seit der Klassik geführt, war aber schon bei den Griechen und später auch bei den Römern ein innenpolitisches Thema. Ich bekenne hier offen, daß ich zwar Kosmopolit bin, also selber "wurzelloser Jude", zugleich aber auch graecophil und Regionalist. Ich kann weder in einem Nationalstaat noch in einer Weltregierung ein historisch zumutbares politisches Ziel erkennen. Fortschritt ist beides nicht. Die von S. geforderte Autorisierung des Nationalstaats für ihn interessierende Fragen ist kein Fortschritt, weil dann einfach weitergefragt werden muß, ob es nicht im Zielpunkt eines solchen Nationalstaats liegen müßte, seine Macht auszubauen?
    Die von F. offensichtlich präludierte Zielstellung einer übernationalen Weltregierung klingt ja erst mal fortschrittlicher, ist es aber nicht. Im Gegenteil: eine supermächtige Weltregierung bei gleichzeitiger Unterorganisation der Nationalstaaten würde zu sehr viel mehr Kriegen und sozialen Spannungen führen als die gegenwärtige Mischform aus Nationalstaaten, überregionalen Großstaaten und Kleinstaaten ohne bestimmbare nationale Identität. Zudem scheint F. bis heute nicht begriffen zu haben, daß die Deutschen, an denen er sich offenbar besonders gern reibt, seit 1648 nicht alle in einem Staat lebten und daß v.a. die von ihm genannten beiden letzten Kriege zwar de facto von uns angefangen wurden, daß es aber immer auch Vorgeschichten und Verflechtungen gibt, die eine einfache Schuldzuweisung und damit verbundene Zeigerfingerattitüde für künftige Ereignisse unterbinden sollte, will man historische Gerechtigkeit widerfahren lassen. Wer so wie F. denkt, hat von Geschichte nicht viel verstanden und betreibt seinerseits eine gefährliche, weil von Vorurteilen und einer an Spengler erinnernden Kasuistik der Zeit getragene Zukunftserwartung. Besonders dümmlich ist von daher eine Gleichsetzung von Nationalstaat und Kriegsgefahr. Ich würde mich über die gegenteilige Meinung, daß nämlich eine Welt aus Nationalstaaten (die wir noch nicht haben) erst die Kriege verdammt, nicht wundern, vertrete diese Meinung aber nicht, weil ich den ewigen Frieden erst dann für realisierbar halte, wenn Nationalstaaten abgeschafft worden sind. Ich halte den ewigen Frieden allerdings für ebenso unmöglich, wenn es zwar Nationalstaaten gibt, sie aber scheinbar machtlos gegenüber einer wie auch immer ausgestatteten Weltregierung sein sollten. Weil ich eben an die Unauflösbarkeit des gegenwärtigen Systems des Nationalstaats glaube, wird der Weltfrieden eine Illusion bleiben. Aber man hielt auch 1988 den Fall der Mauer für illusorisch und bezeichnete seinerzeit jeden als Spinner, der was anderes behauptete. Menschen sind schon komisch.
    Ich weiß jedenfalls, daß sowohl S.s als auch F.s enge Begriffe der Politik nichts taugen. Doch wenn ich mich für einen von beiden entscheiden müßte, wäre es S., dem die verheuchelte Attitüde fehlt, die mir schon seinerzeit bei F.s Angriffe auf Möllemann auffielen. Auch kann ich bei F. nicht erkennen, was er denn will, was für ihn ein Fortschritt wäre. Antworten auf diese Frage bleibt er schuldig. Wahrscheinlich will er sich nicht angreifbar machen. Ich weiß es nicht.

    Meine Fortschrittsvorstellung sieht so aus, daß ich an die Kraft der Region glaube. Ich plädiere für die Abschaffung der Nationalstaaten - ein Begriff, der eine c.i.a. beinhaltet - und bin für die Organisationsform kleinerer selbständiger Einheiten, die alle für sie wichtigen Fragen selbst bestimmen dürfen und nur in militärischen Fragen durch eine übernational bzw. -regional agierende Weltregierung (die auch Umweltfragen und makroökonomische Fragen regulieren soll) kontrolliert werden. 300000 Menschen sollten für jeweilig eine Region ausreichend sein. Großstädte müßten entsprechend aufgeteilt werden, was sehr interessante Folgen haben dürfte und diese Großmannssucht vieler Regionen zersplittern würde.

  19. #44
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    der publizist giordano stellte zehn thesen zu sarrazin auf. grundtenor: der mann hat recht.
    ich frage hier weiter: was schlägt er vor?

    erstellt von Giordano:

    1. Solange gebildete, berufsintegrierte und akzentfreies Deutsch sprechende Muslima in Talkshows mit wirklichkeitsfernen Sätzen wie „die Frage der Integration stellt sich gar nicht“ so tun, als sei ihr Typ exemplarisch für die muslimische Minderheit in Deutschland und die Gleichstellung muslimischer Frauen eben um die Ecke – so lange hat Thilo Sarrazin recht.
    2. Solange diese Vorzeige-Muslima sich lieber die Zunge abbeißen würden als einzugehen auf das, was kritische Muslima so authentisch wie erschütternd berichtet haben über den Alltag der Unterdrückung, Abschottung und Ausbeutung, der Zwangsehe und Gefangenschaft muslimischer Frauen und Mädchen bis hin zu der unsäglichen Perversion der „Ehrenmorde“ – so lange hat Thilo Sarrazin recht.
    3. Solange widerstandslos hingenommen wird, dass Moscheen in Deutschland nach Eroberern der türkisch-osmanischen Geschichte benannt werden, nach Sultan Selim I. oder, wie im Fall der sogenannten Fatih-Moscheen, nach Mehmet II., dem Eroberer von Konstantinopel – so lange hat Thilo Sarrazin recht.
    4. Solange höchste türkische Verbandsfunktionäre, wie der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mayzek, vor laufender Kamera und Millionen Zuschauern erklären können, Scharia und Grundgesetz seien miteinander vereinbar, ohne sofort des Landes verwiesen zu werden – so lange hat Thilo Sarrazin recht.
    5. Solange rosenkranzartig behauptet wird, der Islam sei eine friedliche Religion, und flapsig hinweggesehen wird über die zahlreichen Aufrufe des Koran, Ungläubige zu töten, besonders aber Juden, Juden, Juden – so lange hat Thilo Sarrazin recht.
    6. Solange die weitverbreitete Furcht vor schleichender Islamisierung in der Bevölkerung als bloßes Luftgebilde abgetan wird und nicht als demoskopische Realität ernst genommen – so lange hat Thilo Sarrazin recht.
    7. Solange von hiesigen Verbandsfunktionären und türkischen Politikern penetrant auf Religionsfreiheit gepocht wird, ohne jede parallele Bemühung um Religionsfreiheit in der Türkei – so lange hat Thilo Sarrazin recht.
    8. Solange nicht offen gesprochen wird über islamische Sitten, Gebräuche und Traditionen, die mit Demokratie, Menschenrechten, Meinungsfreiheit, Gleichstellung der Geschlechter und Pluralismus nicht vereinbar sind – so lange hat Thilo Sarrazin Recht.
    9. Solange die großen Themen der Parallelgesellschaften wie Gewaltkultur, überbordender Nationalismus, offener Fundamentalismus, ausgeprägter Antisemitismus und öffentliches Siegergebaren mit demografischer Drohung nicht zentrale Punkte des nationalen Diskurses sind – so lange hat Thilo Sarrazin recht.
    10. Solange Deutschlands Sozialromantiker, Gutmenschen vom Dienst, Pauschal-Umarmer und Beschwichtigungsapostel weiterhin so tun, als sei das Problem Migration/Integration eine multikulturelle Idylle mit kleinen Schönheitsfehlern, die durch sozialtherapeutische Maßnahmen behoben werden können – so lange hat Thilo Sarrazin recht.

  20. #45
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    Diese Diskussion vor achtzehn Jahren zeigte schon die fehlende Gesprächsbereitschaft derjenigen an, die den gesellschaftlichen Diskurs bestimmen. Wird Kritik an ihrer Betreibung des mainstreams geübt, ziehen sie sich zurück, denn sie könnten in einem solchen Gespräch nur verlieren, also Macht aufgeben müssen. Glauben sie. Ich bin gespannt, welche Kuh nach Möllemann, Sarrazin oder Sieferle demnächst durchs Dorf getrieben wird, immer mit dem Schaum der "entrüsteten Anständigen" vorm Mund.

  21. #46
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Jagden auf Möllemann, Sarrazin, Sieferle...

    neunzehn Jahre nach M.s Tod schreibt die JF

    Jürgen Möllemann starb, wie er lebte: schlagzeilenträchtig. Als der passionierte Fallschirmspringer am fünften Juni 2003 während seines letzten Sprunges den Hauptschirm abtrennte und wenig später ungebremst auf einem Feld im nordrhein-westfälischen Marl aufschlug, lag ein Jahr hinter ihm, in dem er immer wieder voll ins Risiko gegangen war, um sein politisches Überleben zu sichern und dabei auch an bundesrepublikanischen Tabus gerüttelt hatte. Am Ende war er politisch und persönlich ruiniert und sah nur noch einen Ausweg.
    Der Fall fasziniert auch in der historischen Rückschau als Beispiel eines Mannes, der im Alleingang durch Provokation und Chuzpe den Erfolg sucht und dabei spektakulär scheitert. Des weiteren verdeutlicht die Affäre, mit welch zweierlei Maß heute beim Thema Antisemitismus gemessen wird.
    Möllemann hatte bereits eine erstaunliche Karriere hinter sich, 2002 war der frühere Wirtschaftsminister und Vizekanzler im Kabinett von Helmut Kohl der starke Mann der FDP. Zwei Jahre zuvor hatte er als Spitzenkandidat für die Wahl in Nordrhein-Westfalen die Partei mit starken 9,8 Prozent zurück in den Landtag geführt, womit auch seine bundespolitische Bedeutung stieg.
    Die Affäre um den FDP-Politiker ist untrennbar mit dem Namen Jamal Karsli verbunden. Als arabischstämmiger Landtagsabgeordneter der NRW-Grünen warf dieser im März 2002 Israel vor, „Nazi-Methoden“ gegen die Palästinenser anzuwenden. Möllemann witterte einen politischen Coup und überzeugte Karsli zum Eintritt in die FDP, nachdem er von den Grünen heftig für seine Aussagen kritisiert worden war. Am 16. Mai wurde er in die FDP-Landtagsfraktion aufgenommen, was die Affäre richtig ins Rollen brachte.
    Frontalangriff auf den „arroganten“ Michel Friedman

    Am dezidiertesten äußerte sich Michel Friedman, damals Vizepräsident des Zentralrats der Juden, der die Partei aufforderte, Karsli sofort wieder auszuschließen. Noch am selben Tag entgegnete Möllemann: „Ich fürchte, daß kaum jemand den Antisemiten, die es in Deutschland gibt und die wir bekämpfen müssen, mehr Zulauf verschafft als Herr Scharon und in Deutschland Herr Friedman – mit seiner intoleranten gehässigen Art.“ Spätestens jetzt wurde aus einer landespolitischen eine bundespolitische Angelegenheit.
    Hatte der FDP-Politiker den Juden im allgemeinen und dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon im besonderen etwa vorgeworfen, selbst für Antisemitismus verantwortlich zu sein? Friedman sprach ob der Aussage gar von einem „Zivilisationsbruch“, und Claudia Roth, zu dem Zeitpunkt Vorsitzende der Grünen, erstattete Anzeige wegen Volksverhetzung.
    Doch auch aus den eigenen Reihen erfuhr Jürgen Möllemann Gegenwind. FDP-Chef Guido Westerwelle forderte Karsli am 18. Mai zum Parteiaustritt auf. Dieser verzichtete dann zwar auf einen offiziellen Eintritt, blieb aber dennoch Mitglied der FDP-Landtagsfraktion. Und Möllemann legte rhetorisch noch einmal nach: „Ich wiederhole meinen leider gefestigten Eindruck, daß die Politik von Herrn Scharon und der unerträgliche, aggressiv-arrogante Umgang von Herrn Friedman mit jedem Scharon-Kritiker leider geeignet sind, antiisraelische und antisemitische Ressentiments zu wecken.“
    Möllemann selbst berief sich auf Tausende zustimmende Reaktionen aus dem Wahlkampf, und eine Forsa-Umfrage bestätigte mit 35 Prozent der befragten Personen seine Aussage, Friedman verstärke durch sein Auftreten und Verhalten den Antisemitismus. Nach dieser Aussage wurde der Druck auf ihn so groß, daß er nachgab. Karsli trat nicht in die Fraktion ein, und Voriger entschuldigte sich bei Friedman.
    Möllemann erhielt viel Gegenwind von der FDP

    In den kommenden Monaten verschwand die Affäre wieder aus den Schlagzeilen, da sich das politische Deutschland auf die Bundestagswahl im September konzentrierte und zudem die Hochwasserkatastrophe an der Elbe sowie der drohende Irakkrieg die Nachrichten dominierten. Am 17. September, fünf Tage vor der Wahl, meldete sich Möllemann mit einem Knall zurück. Er ließ in NRW über eine Million Faltblätter an Haushalte verteilen, auf denen Friedman und Ariel Scharon abgebildet waren und als Haupttreiber des Nahostkonflikts beschuldigt wurden.
    Der Antisemitismusvorwurf, der auf die gesamte Partei ausgeweitet wurde, war zurück im öffentlichen Bewußtsein. Am 22. September erreichte die Partei, die mit dem „Projekt 18“ große Ziele formuliert hatte, enttäuschende 7,4 Prozent und beschuldigte Möllemann, für dieses Ergebnis die alleinige Verantwortung zu tragen. Bereits am nächsten Tag mußte er von seinem Amt als stellvertretender Parteivorsitzender zurücktreten.
    Ab Oktober wurde aus der politischen zudem eine Spendenaffäre. Woher kamen die 840.000 Euro, die die Faltblattaktion in Anspruch genommen hatte? Möllemann schwieg zunächst. Am vierten November leitete die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen Verstoßes gegen das Parteiengesetz ein. Am 20. November erklärte er, das Geld aus seinem Privatvermögen gestückelt und anonym in die Parteikasse geschleust zu haben.
    Die Bundespartei wollte Möllemann jetzt nur noch loswerden und leitete im Dezember ein Parteiausschlußverfahren gegen ihn ein. Am 11. Februar 2003 wurde er aus der Bundestagsfraktion ausgeschlossen und trat einen Monat später aus der FDP aus. Zu guter Letzt rechnete Möllemann noch publizistisch („Klartext für Deutschland“, München 2003) mit seinen Parteifreunden Wolfgang Gerhardt und Guido Westerwelle ab.
    Politisch war er am Ende. Zudem warteten mehrere Verfahren auf ihn, neben Verstößen gegen das Parteiengesetz auch noch wegen Betruges und Untreue. Am 5. Juni 2003 hob der Bundestag am Vormittag die Immunität Möllemanns auf, nur Minuten später begannen die Durchsuchungen seiner Geschäftsräume und seines Privathauses in Münster. Noch während der Einsatz lief, nahm sich Jürgen Möllemann das Leben.
    Opferhierarchie durch „Menschen of Colour“ ersetzen

    Aus heutiger Sicht fällt besonders der veränderte Umgang mit dem Themenkomplex Antisemitismus von seiten des progressiven Milieus auf. Eine zentrale Rolle spielt dabei Claudia Roth, mittlerweile Kulturstaatsministerin des Bundes, die vor zwanzig Jahren zu den schärfsten Kritikern Möllemanns und der FDP gehörte. Unter ihrer Verantwortung präsentierte ein indonesisches Künstlerkollektiv auf der diesjährigen Documenta ein Wandgemälde voller antisemitischer Topoi, unter anderem einen Mossad-Agenten mit SS-Runen, der vom Phänotyp direkt dem „Stürmer“ entnommen zu sein scheint.
    Dieser woke-linksliberale Antisemitismus kleidet sich im Gewand des Postkolonialismus und fordert offen ein Ende des erinnerungskulturellen Fokus auf die Opfer des Nationalsozialismus. Diese seien fast alle weiße Menschen gewesen, die nun an der Spitze der Opferhierarchie durch „Menschen of Colour“ ersetzt werden sollen. Im Vergleich zu diesem aktivistischen Frontalangriff auf die deutsche Erinnerungskultur – was immer man im Detail von ihr halten mag – wirken Möllemanns Aussagen heute wie Petitessen.
    Die Jüdische Allgemeine forderte im Juni dieses Jahres den Rücktritt Claudia Roths als Vertantwortliche dieses Skandals, wovon kaum jemand Notiz nahm. Und im Gegensatz zu Möllemann wurde sie sogar von ihrer Partei und dem politisch-medialen Komplex bedingungslos unterstützt. So ändern sich die Zeiten…

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