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Thema: Gaukler des Lichts

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Gaukler des Lichts

    Mit dem (wahrscheinlich) undemokratisch zustandegekommenen, nichtsdestotrotz aber rechtmäßigen Machtantritt des Bush-Sohnes fiel auch die gesittetere Außenpolitik seines Vorgängers. Den Republikanern wird nicht umsonst nachgesagt, daß sie im Inneren die Zügel schleifen ließen, um desto mehr in der Außenpolitik Akzente zu setzen. Die militärische Gewalt wird also wieder zum akzeptablen politischen Mittel erkoren. Entschlackungskuren im Militär sind vielleicht in Personalfragen, nicht jedoch im High-Tech-Bereich zu erwarten. Die verbliebene Supermacht rüstet auf, um sich auf absehbare Zeit jeglicher Bedrohung apriori entledigt zu haben.


    Nach der erneuten Bombardierung des Irak jaulten Franzosen, Israelis und Araber gleichermaßen. Unser bombenfester Außenminister grinste und setzte in bilateralen Gesprächen handelspolitische Akzente. Das ist klug und falsch zugleich. Gut kantisch gesprochen, es ist Politik und nicht weiter der Rede wert. Schlecht, weil es eben unehrlich und heuchlerisch ist. Aber mit einem Lächeln wird das vor der Öffentlichkeit wegvernünftelt. Doch bleibe ich bei den Gauklern des Lichts.


    Die Amis haben wieder Bomben geworfen, Zivilistensterben in Kauf genommen, um vage militärische Erfolge zu verbuchen. Der Zweck soll im Bezwingzwang Saddams liegen, der außenpolitisch Oberwasser bei den Anrainern gewinnt, je länger sich die in ihrer Schärfe einmalige Blockade hinzieht. Daß hierbei vielleicht eine halbe Million Menschen Epidemien und Nahrungsmangel im Irak zum Opfer fielen, ist nur billig. Es sind keine Amerikaner, also nicht weiter der Rede wert.
    Aber lehrte nicht schon Cusanus, daß Wirkung Gegenwirkung initiiere? Werden nicht die Intifadisten und Terroristen Zulauf en masse erhalten, weil eben das gesamte Land abgestraft wird?
    Wissen die Bombenwurfverantwortlichen das nicht? Oder ist es ihnen egal? Oder nehmen sie das in Kauf, rechnen sogar damit? Warum?


    Der Junior, heuer Präsident, wurde reich mit Insider-Geschäften, kam zur Macht aufgrund connections - der Florida-Gouverneur setzte seinen Verwandten quasi per Gerichtsbeschluß durch, nicht, weil der die meisten Stimmen hatte - und hatte wohl und hat ein Vaterproblem. Warum fängt der jetzt im Irak wieder an? Warum forciert der ein Raketenprogramm, daß schon der senilkonfuse Reagan nicht wirklich durchsetzen konnte?


    Eine einfache Antwort: Es ist die Profilierungssucht eines Anfängers, der den langen Schatten des Vaters sieht und die Fragen der Zukunft nicht beantworten kann. Als ob sich Amerika nicht schon genug wundern sollte, daß pünktlich mit dem Machtantritt des Sohnes die Wirtschaft eine Talfahrt zu beginnen scheint, die ihresgleichen suchen wird! Der Sohn sieht seine Betätigung in den Fußstapfen des Vaters, doch wie sang schon Bob Dylan: Let me die in your footsteps...


    Und wir? Wir haben ja nun überhaupt keinen Arsch in der Hose. Sagen wir NEIN zu diesen Schnurzeln des Geistes, diesen Blendern in Fragen des Geistes und der Sittsamkeit! Sagen wir NEIN zu Bombenwerfern und abstrakten Zielverfolgern.

  2. #2
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Gaukler des Lichts

    Öhem, ist dieser Beitrag so schlecht, daß er nicht einmal ein ÖHEM verdient hat?

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Gaukler des Lichts

    Ich habe Deinen Beitrag sehr wohl sehr ernsthaft gelesen, Robert, ihn aber zunächst nicht beantwortet, weil unmittelbar nach dem 02. April ein Lehrstück der Geschichte vorgeführt wurde. Die aktuelle Entwicklung lässt sich nun in einiger Hinsicht auch in Bezug auf Deinen Beitrag deuten.
    Mit der Rückkehr der Besatzung des amerikanischen Spionageflugzeuges hat man Bush den Erfolg zu Beginn seiner Präsidentschaft gegeben, nach dem ein jeder Präsident aus Profilierungsgründen streben muss. Zustandegekommen ist diese Aktion mit Sicherheit nicht, weil Bush ein großer Staatsmann ist, sondern weil er in sinnvoller Weise auf seine Berater gehört hat. Musste er ja auch, weil er sich nicht auskennt.
    Vielleicht erinnerst Du Dich an den 01. September 1983. Damals war ein koreanisches Verkehrsflugzeug, ein vollbesetzter Jumbo, von Anchorage, Alaska, aus auf dem Weg nach Seoul. Es verschwand vom Radarschirm, weil es abgeschossen wurde. KAL 007 wurde von den Soviets abgeschossen, weil es in ihren Luftraum ca. 360 Meilen weit eingedrungen war.
    Präsident der USA damals: Ronald Reagan, Außenminister: George Shultz. Damaliger Berater des Verteidigungsministers Caspar Weinberger: Colin Powell.
    Es wurde eine sehr hektische Nacht damals, in der alles Mögliche erwogen und beraten wurde, die Wahrheit kam erst viel später ans Licht, nach dem Zusammenbruch der UdSSR um genau zu sein.
    Eine weitere Episode lässt sich auch bezüglich der Situation am Golf einfügen. Als General Schwartzkopff die Iraker geschlagen hatte, rief er Präsident Bush an und fragte nach, ob er auf Bagdad losmarschieren sollte. Bush entschied sich dagegen, sein Sicherheitsberater damals war Colin Powell.
    Heute feiert man die Rückkehr der Flugzeugbesatzung, Bush hält eine patriotische und aggressive Rede - man lässt ihn spielen mit seiner Macht, mehr nicht. Ach so, ja, Name des derzeitigen Außenministers: Colin Powell.
    Und noch etwas: NATO-Doppelbeschluss ist sicherlich noch jedermann ein Begriff, aber kennst Du auch das "Fulda-Gap". Das ist die strategische Bezeichnung für den Landeinschnitt zwischen dem Harz und dem Thüringer Wald. Auf einer Linie von 500 Km nach Osten wäre es die Stoßrichtung der amerikanischen Truppen in Europa gewesen, wenn sie in einem nuklearen Gegenschlag nach Osten marschiert wären zu Beginn der achtziger Jahre. Hinzuzufügen wäre noch der Name des damaligen Oberbefehlshabers der Truppen in Europa. Richtig, s.o. Colin Powell.
    Amerikanische Politik wird nicht immer von dem jeweiligen Präsidenten gemacht, das sollte klar sein. Natürlich kann er ihr sein Gesicht geben, wenn er die Sprache seiner Berater versteht und ihre Ratschläge sinnvoll zu verwerten weiß.
    Ich verstehe meinen Beitrag nicht als Antwort auf Deinen, Robert, schon gar nicht als Gegenrede, aber auch nicht als "Öhem". Die amerikanische Politik beobachte ich nun schon seit über 25 Jahren, man könnte noch viel viel mehr darüber schreiben und lernt dabei immer mehr Zusammenhänge kennen. Der Platz reicht hier nicht aus, um zu erklären, was Bush mit "first things first" meint, um zu erklären, wie sich amerikanisches Denken entwickelt hat und sich auswirken kann. Wenn Du mich nach meiner persönlichen Meinung fragst, dann sehe ich für das 21. Jahrhundert durchaus optimistisch in die Zukunft und mache dies nicht unbedingt an einem Präsidenten George W. Bush, jun. fest.

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Gaukler des Lichts

    Wenn es nicht eigentlich so traurig wäre immer... Ich bin immer noch amüsiert darüber, das der Präsident der USA Englischfehler macht die selbst mir nie passieren würden. Ich glaube hier kommt endlich mal ganz deutlich zutage wie wenig Intelligenz man doch braucht im Land der albernen Möglichkeiten. Gott, ist der mal eben doof. Aber er kann ja nichts dafür. Im Zweifelsfall weiß er doch garnicht was er da macht. Gefährlich ist da schon eher das Land. Und es wird nicht mehr lange dauern da müssen sich die Amis vielleicht doch mal dafür interessieren was denn nun die Hauptstadt von Frankreich ist. Oder China. Trotzdem, wenn zur Zeit des Clinton Skandals Außerirdische gelandet wären hätte ich noch mehr gelacht. "Wo sind eure mächtigsten Männer?" "Äh, ja. Also, der eine liegt schicker in der Kiste und der andere ist da drüben und redet über seinen Penis. Wieso?"

  5. #5
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Gaukler des Lichts

    Redet der wirklich über seinen Schwanz? Ich meine, zumeist redet man von Dingen, von denen man keine Ahnung hat, von denen man gehört hat, von denen andere reden oder aber, man redet, um zu reden. Ja, die Politik ist eben wohl keins dieser Felder, denn wie beim Fußball: Wir alle können es besser. Allerdings: Stellt sich nicht manchmal die Frage, welche Absichten man hat, wenn man denn Macht hat. Oder soll ich hier einen Konjunktiv gebrauchen. Müßte ich mich hier zurücknehmen?


    Uis, der Powell scheint mir ja ein Früchtchen zu sein! Darüber könnte man ein Buch schreiben. Wie wär's? Ich hatte die letzten Tage gerade einen üblen 250-Seiten-Text über unsere Militärgeschichte am Wickel, der machte mir Lust auf Militärgeschichte. Nicht die, die ich las, sondern auf ein gutes Buch über Militärgeschichte in Deutschland. Sagen wir mal, die Deutschen sind gemacht worden. Geht das?


    Powell ist dieser Knilch, der konzipierte? Und jetzt darf er's wohl die naselang?


    Mein Sohn drängelt jetzt. Ich muß schließen. Demnächst mehr.

  6. #6
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    AW: Gaukler des Lichts

    Nein, Robert, als "Früchtchen" würde ich ihn weißgott niemals bezeichnen, dazu war er zu sehr amerikanischer Soldat, sein ganzes Berufsleben lang, hinzu kommt noch seine Hautfarbe. Ja, Soldat war er einer, auch einer von denen, die in Vietnam waren (2x) und dort das Sterben gesehn haben, aber das gehört zum Soldatenleben dazu. Es ist schon manchmal eigentümlich, sich in die Psyche eines Befehlsempfängers hineinzuversetzen. Amerikanische Soldaten sind eher Befehlsempfänger als deutsche, die "Aufträge" kennen. Das ist kein euphemistischer Unterschied, dazwischen liegen einige Welten und Einiges an Selbstverständnis der Bundeswehr. Sind wir jetzt schon in der Militärgeschichte? Bin aber kein Militarist. So ein Buch...? Mal nachdenken, ja, ich könnte Dir was schreiben, frag mich mal weiter...

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Gaukler des Lichts

    Der NSA-Skandal soll die Provinzialität des deutschen Politikverständnisses zeigen, soll heißen: die "verspätete Nation" (Plessner) hat die Spielregeln im international angelegten Politikgeschäft nicht verstanden, verwechselt Gesellschaft und Staat, stellt Redlichkeit über Pragmatismus, individuelles über politisches Bewußtsein, ist beharrlich und kompromißarm statt win-win-Situationen zu erzeugen, kann die persönliche nicht von der allgemeinen Lebenswelt abkoppeln, haßt Formen und übt Gesinnungsethik...
    So in etwa lauten die Argumentationslinien derjenigen, die unserem Kanzler und unserer Außenpolitik Naivität unterstellen, Dümmlichkeit statt ergebnisorientiertes Handeln und die das mit einem deutschen Nationalstaat affizieren, der verspätet in die Weltpolitik eingreifen gelernt haben soll.


    So ein Schafscheiß.


    Diesen dümmlichen Meckerköppen sei gesagt, daß wir Deutschen die Politik im Kleinklein Jahrhunderte gepflegt, wenngleich nicht erfunden haben. Dieser Ruhm gebührt den Griechen. Daß wir die politischen Vorstellungen der Griechen weiterentwickelten und sittliche Erwägungen in unsere Politik einfließen ließen, mag zum ewigen Ruhm unserer Altvorderen beitragen, ein Ruhm, der heute zwar noch im Altwissen der denkfähigen Deutschen wesen dürfte, aber durch die Macht der "Erkenntnisse" nach zwei verlorenen Weltkriegen noch auf die Stunde wartet, wo er fröhliche Urständ feiern darf.
    Es liegt auf der Hand, daß die pragmatische, gewissenlose und rein auf den kurzfristigen Nutzen angelegte Politik des Westens (mit der sich schon Thomasius, Wolff und nach ihnen Kant auseinandersetzten und diese Form der Weltbeherrschung ablehnten), die immer Interessenpolitik einiger weniger war und bleiben wird, ausgespielt haben muß. Es ist längst an der Zeit, neue politische Paradigmen zu entwickeln, die auf Verständigung, Duldsamkeit, Förderung orientieren und nicht auf Abgrenzung, Dogmatismus und Totalitarismus. Westliche Politik zielt bestenfalls darauf, den Nutzen für alle zu gewinnen. Das sei ihr unbenommen. Aber dieses Ziel ist unerreichbar, was der westliche Politiker auch weiß. Also hat er die Utilitaspolitik entwickelt, die Förderung zum Nutzen seiner Klientel. Zudem präliminierte der westliche Politiker zwei Paradigmen:



    1. homo homini lupus;
    2. Der Zweck heiligt die Mittel.


    Diese beiden Paradigmen gestatten ihm jede Handlung, denn der Zweck ist ein guter, nämlich der zum Nutzen seines Auftraggebers, für den er etwas tut, der ihm ein Mandat gab und damit aus der individuellen Not eines Gewissens befreite. Da der andere Mensch von vornherein als ein mit SEINEN/MANDATIERTEN Zielen wahrgenommenes Wesen gilt, also per se als feindliches wahrgenommen werden muß, ist es nur eine Frage der Zeit, bis er mit diesem in Konflikt gerät, besonders dann, wenn es um die Definition von Interessen geht, denn es liegt in der Natur jeder Sache, daß sie irgendwann einmal mit anderen Sache in Berührung geraten muß, andernfalls wären es nicht zwei verschiedene, sondern identische Prozesse/Angelegenheiten/Geschäfte.




    Kurzum: Merkel täte gut daran, sich aus der moralischen, politischen und militärischen Abhängigkeit des Westens und der sich anbahnenden wirtschaftlichen von China zu lösen und statt dessen Präliminarien zu formulieren, die den europäischen Staatenbund moralisch auf neue Füße stellen. Daß wir dazu einen Friedensvertrag und eine neue Verfassung benötigen, liegt auf der Hand. Der Diskurs muß in Gang kommen. Wir haben jetzt einen guten Anlaß.

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