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Thema: Kriegstagebuch

  1. #51
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    Blicke ich in die Medien, bin ich nicht um den Schlaf aber um mein Vertrauen in das Informationsangebot gebracht. Es herrscht eine Ukrainehysterie. Die Staaten überschlagen sich in Hilfsbereitschaft für die Ukraineflüchtlinge, ein Aufmerksamkeitshurrican und Sympathietsunami empfängt die durchaus bedauernswerten Menschen. Aufmerksamkeit und Sympathie, die anderen Menschen aus anderen Weltgegenden nicht im Geringsten gelten. Es herrschen einige grausame Kriege, Jemen, Mali, Äthiopien, Afghanistan, Syrien, es herrschen viele blutrünstige Tyrannen von Myanmar, Nordkorea über die Philippinen bis Brasilien und viele, die ich gar nicht kenne. Darüber wird nicht berichtet. Die Toten, Verwundeten, Verwaisten, Verhungernden, Vertriebenen dort sind keine Zeile wert.

    Was für eine verrückte Berichterstattung, verrückt im wortwörtlichen Sinn. Putin hat sich verzockt, keine Frage, Selenski knockt ihn dazu noch PR-mäßig aus. Die russischen Truppen können einem nur noch leid tun. Junge Menschen, die einfach verheizt werden. Und am Ende gewinnt immer der $$$.

    Die Ukrainer tun mir leid. Die Russen tun mir leid. Doch wir haben noch ganz andere Probleme. Problem ungleich größeren Kalibers. Die wir noch gar nicht annähernd begriffen haben. Die globale Klimaänderung, das ist die große Herausforderung, die dräuende Katastrophe. Dagegen ist alles andere Larifari. Read my lips. Ich werde seit Jahren ausgelacht, wenn ich auf sich häufende Phasen von Trockenheit, Wassermangel, Hitze und irreversible Schäden an Wäldern, Böden und Gewässern hinweise.

    Tja, lacht nur, es wird uns allen noch vergehen.

    Putin verkauft Gas nur noch gegen Rubel. Ein logischer und vorhersehbarer Zug, wenn man ihm Transaktionen in € oder $ sanktioniert und sperrt und die Konten einfriert. Das haben aber unsere tollen Politstrategen offensichtlich nicht bedacht. Das ist doch klar, dass ein geschlagener Hund beisst. Die Eskalationsspirale dreht sich weiter. Nur zu!

  2. #52
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    AW: Kriegstagebuch

    Tut mir leid, ad, aber ich kann Deiner Annahme, daß Putin den Weltfrieden gefährdet, nicht folgen. Die NATO ist der Kriegstreiber, insbesondere die USA. Die Russen waren mal Kriegstreiber, unter Stalin, auch Breschnew war diesbezüglich wenig zimperlich, aber seit einigen Jahren sie sind es nicht mehr. Ich hatte hier vor kurzem einen Text eingestellt, der genau wiedergibt, mit welchen Methoden die NATO Rußland immer mehr in die Ecke drängt. Auch darf man nicht vergessen, daß Rußland gerade einmal 7,2% des amerikanischen BIP aufweist und die USA mehr als zehnmal soviel Geld wie die Russen fürs Militär ausgeben. Die Maschine will gut geölt bleiben. In der BRD arbeiten die Baerbocks, die Scholz' und Merz' kräftig zu. So wie diese Leute reden, redet man nicht mit einem demokratisch gewählten Prätendenten einer Weltmacht, die Rußland nun mal ist. Man drängt eine solche Weltmacht auch nicht mit dem Rücken zur Wand, indem man an dessen Südgrenze Manöver stattfinden läßt, Waffendepots anlegt und jede diplomatische Lösung verweigert. MINSK ist v.a. von der Ukraine nicht ratifiziert worden. Im Gegenteil: seit 2014 wird die russische Bevölkerung in der Ostukraine systematisch bombardiert und in der Ausübung ihrer Menschenrechte beschnitten.
    Der Putin ist nun kein Friedensengel, er denkt nationalistisch und machtpolitisch, nicht kooptiv. Er ist wie ein Überbleibsel aus dem 19. Jahrhundert. Frieden wird man mit ihm nur dann bekommen, wenn man ihm entgegenkommt und nicht durch Sanktionen und Beschimpfungen, auch nicht durch Lügen. Wer machtpolitisch denkt, der duldet bestimmte Dinge nicht. Die USA wissen das. Sie haben trotzdem die Ukraine zu einem nichtmitgliedseienden Mitglied der NATO gemacht und dort ein Aufmarschgebiet implementiert, das sich nur der gefallen läßt, der weiß, daß er eine Auseinandersetzung gewinnen wird, der ein Aß im Ärmel hat.
    Unsere heutige Jugend ist nicht besser oder schlechter als die vergangener Generationen. Sie ist nur weniger zahlreich, dafür aber reicher. Wir haben zu viele Einzelkinder. Das bekommt den Familien nicht. Ich habe schon Einzelkinder kennengelernt, die alles selber machen wollen; ich habe verwöhnte Gören aus Mehrkinderhaushalten kennengelernt, die im Hotel "Mama" wohnen wollen, bis sie 100 sind.

    erstellt von faz:
    Die NATO hat ihre jüngsten Schätzungen zu den russischen Verlusten bei ihrem Angriff auf die Ukraine veröffentlicht. Bei einem Briefing im militärischen Hauptquartier im belgischen Mons hieß es, dass die Allianz mittlerweile von 7000 bis zu 15.000 getöteten Soldaten ausgehe. Inklusive verwundeter und vermisster Soldaten würden die Verluste vermutlich zwischen 30.000 und 40.000 Soldaten betragen.

    Die Einschätzungen, hieß es in Mons, beruhten auf Informationen, die von den Ukrainern geteilt würden und Erkenntnissen, die sich von Seiten der Russen gewinnen ließen.

    Nach einem Kriegsmonat, hieß es, bewegten sich die Kämpfe in Richtung eines Patts. Dabei hätten die russischen Streitkräfte so gut wie keines ihrer strategischen Ziele erreicht. Lediglich an der Südfront seien Fortschritte zu beobachten, die aber würden mit "horrenden Verlusten" erkauft.

    Die Sorge, dass Russlands Machthaber Wladimir Putin angesichts der militärischen Lage zu Massenvernichtungswaffen greifen und damit sogar die NATO angreifen könnte, wurde von Seiten der Allianz als sehr real bezeichnet.
    Ich sehe das anders. Man kann die Lage in der Ukraine grundsätzlich aus zwei militärischen Perspektiven betrachten.

    1. Man sieht es so, wie es im obigen FAZ-Ausschnitt beschrieben wird. Dann wären die Schreckensszenarien auch berechtigt: Putin in die Enge getrieben, instabile innere Verhältnisse und der böse Putin holt dann aus zum atomaren Schlag, dem die NATO nur durch einen Erstschlag zu begegnen glaubt. Weltkrieg.
    2. Man sieht es so, wie die sich allmählich verändernde Lagekarte auch zeigt: Systematische Schläge gegen die ukrainische Logistik. Langsames Vorrücken in den östlichen und südlichen Kontrollpunkten, um zwei strategische Ziele zu erreichen: a) eine Land-Verbindung zwischen dem russischen Mutetrland und der Krim; b) Eroberung wichtiger Städte: Kiew, Mariupul, Charkow und Odessa. (Ich hoffe, die Ukraine gibt auf, bevor der Häuserkampf in Kiew Zehntausende das Leben kostet.)

    Die Amerikaner betrachten den Krieg gegen die Ukraine so, wie sie selber im Irak vorgegangen sind. Damals machten sie mit Bombern alles platt, töteten viele Zivilisten (mehr als tausend Mal so viele wie itzt durch Putins Strategie getötet werden) und gingen dann mit Bodentruppen rein, den Rest zu töten oder zu zerstören. Die russische Taktik ist da ganz anders. Die meisten zivilen Toten dürften durch die nationalistischen ukrainischen Bataillone zu verantworten sein, die sich eingraben, in zivile Gebäude ziehen, in Wohngebiete und dort die von der BRD u.a. gelieferten Waffen aufstellen, um sie gegen die Ruissen zu wenden. Sie schießen auch munter weiter in Wohngebiete, die von Russen bewohnt werden. Sie bekommen Unterstützung von Nazis aus der ganzen Welt, für die es eine Ehre sein dürfte, im Asow-Bataillon u.a. neonazistischen Kampfeinheiten Russen zu töten.

    Ich glaube, daß Putins Strategie erfolgreich sein wird. Ich bin mir auch sicher, daß die Russen wissen, wofür sie kämpfen udn Putin nach dem Sieg daran messen werden, ob er die öffentlich genannten Ziele umsetzt oder aber doch nur einen imperialistischen Raubkrieg durchführte. (Wenn sich das herausstellen sollte, dürften das die letzten Tage Putins gewesen sein, denn das lassen sich die Russen nicht gefallen.) Danach wird sich zeigen, wie ehrlich er es meinte. Ziehen die Russen ab, meinte er es ehrlich. Zerstückelt er die Ukraine über die östlichen Autonomiegebiete hinaus, schafft beispielsweise eine dauerhafte Landverbindung zwischen dem russischen Mutterland und der Krim (ich glaube, d.i. die Hauptsorge der ukrainischen Nazis), wäre der Kampf der Ukrainer im nachhinein moralisch legitimiert. Bleibt es bei der Zerstörung der militärischen Infrastruktur der Ukraine, ihrer Neutralität, dann dürfte dieser Krieg für die Ukraine sogar langfristig von Vorteil sein, denn man wird sich in Europa sehr beeilen, die Ukraine neu und besser aufzubauen. Das dürfte auch das Ende der Nazis in der Ukraine bedeuten.

    Daß Putin Erdöl gegen Rubel tauschen will, ist das Natürlichste der Welt und gut für Rußland, gleichwohl es ein Vertragsbruch ist, denke ich, denn in einem Vertrag dürfte auch stehen, in welcher Währung die erbrachten leistungen zu bezahlen sind. Aber sei es, wie es sei, eine Rubelkonvertibilität ist sehr gut für Rußland und der nächste Schlag gegen den Dollarimperialismus, wenn die kapitalistischen Ausländer Rußland verlassen. Rußland braucht das alles nicht, es kann sich selber versorgen und organisieren.
    Ich würde mir wünschen, daß wir in das neue Rußland einen Fuß in die Tür hineinbekämen. Die Russen sind ein Kulturvolk. Eben weil die Russen ein Kulturvolk sind, müssen und dürfen wir den Kontakt in jeder Form nicht abreißen lassen. Womit ich beim letzten Punkt bin:

    Es ist widerlich, wie in der künstlerischen linksgrünen Öffentlichkeit der BRD die Ukraine gefeiert wird und die Russen verleumdet und gechast werden, nur weil sie Russen sind. Es ist keiner von diesen Idioten aufgestanden, als Briten oder Amerikaner Serbien bombardierten, oder Bagdad oder Afghanistan oder Libyen. Da wurde keine Solidarität mit den Völkern gezeigt, keine Amerikaner, Briten oder Franzosen als Dirigenten entlassen oder des Landes verwiesen... Heuchler durch die Bank. (Entweder alle oder keiner. Ich bin für keiner, weil ich gegen Sippenhaftung bin)

  3. #53
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    AW: Kriegstagebuch

    Die Leserkommentare auf ZON zur Ankündigung Putins, Gas nur noch auf Rubelbasis an Staaten zu verkaufen, die die Sanktionen unterstützen, diese Kommentare sprechen Bände. Sie zeigen eindeutig und erschreckend, wie manipuliert die Leute sind, wie sehr sie der US-Propaganda bereits auf den Leim gegangen sind.

    Tenor: Pfui, das ist Vertragsbruch! Der böse Putin liefert kein Gas mehr gegen Euro oder Dollar, dieser Schuft. Dass er mit diesen Euro oder Dollar nicht mal mehr einen Kaugummi bei uns kaufen kann, das wird total ausgeblendet. Und apropos Vertragstreue, wieviele Sanktionen gegen Russland gibt es aktuell? 1000, 2000 oder 10000? Und die stellen keinen Vertragbruch dar?

    Motto: Der Russe - ja der, Singular, weil die sind alle gleich - ist böse, hinterhältig, vertragsbrüchig .....

    Die Leute sind total gehirngewaschen.

    Und das Pünktchen auf dem i: Die USA werfen Russland Kriegsverbrechen vor! Das ist Chuzpe!

    Da kannst du dich nur noch grausend abwenden. Der Westen ist für mich nur noch ein verdorbener, verlogener Haufen Kriegsgewinnler und Opportunisten.

    Halt, nicht der Westen, das wäre ja dasselbe wie der Russe. Also, fast alle Politiker in EUSA und die Mehrheit der gehirngewaschenen Wähler sind Kriegshetzer, Kriegsgewinnler und Opportunisten.

  4. #54
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Kriegstagebuch

    Das passiert mir selten, daß es mit jemandem in einer Frage deckungsgleiche Ansichten gibt, aber ich sehe es genau wie Sahra W.:


  5. #55
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    AW: Kriegstagebuch

    Ja, die Sarah ist eine der wenigen Politikerinnen, die sich nicht der allgemeinen Barbarei des Zeitgeists ergibt.

    *

    Wenn ich die Leserkommentare deutscher Qualitätsmedien anschau, packt mit der nackte Ekel, Entsetzen und Fassungslosigkeit. Abgesehen davon, dass gerade jene Moderationen, die sonst jede Kleinigkeit sprachlicher Deftigkeit mit Löschung ahnden, sofern das Posting gegen die Blattlinie löckt, lässt man jetzt die Sau raus. Da wird Putin aufs übelste beschimpft, mit Verbalinjurien belegt, als Schlächter, Psychopath bezeichnet und mit einer Unzahl anderer Attribute belegt, die man sonst nur aus Hetztiraden und Schmuddelecken linker wie rechter Extremisten kennt. Da wird der gutmenschliche Furor auf die Spitze getrieben, Russland und seine Bevölkerung pauschal mit Isolation, Ruin und Vernichtung gedroht. Die moralische Hyperventilation geht so weit, DEM Russen - weil die sind eh alle gleich - alles erdenklich Schlechte an den Hals zu wünschen und sich selbst als Inkarnation des Guten, Edlen und Wahren zu wähnen.

    Die merken gar nicht, dass sie in ihrem hypertrophen Moralismus genau so denken, artikulieren und handeln, wie sie es Putin und seinen Handlangern vorwerfen.

    Dieser Haß, diese Arroganz und Ignoranz sind um nicht besser als Putins Krieg, nur mit anderen Waffen. Wobei ich Putin gar nicht solche niederträchtigen Gefühle unterstellen möchte. Was sein Handeln nicht besser macht. Und ja, er hat sich verzockt, er kommt da nicht mehr lebend raus. Politisch ist er tot und das russische Volk wird vom scheinheiligen Westen zur Kasse gebeten werden und viele Jahre und Jahrzehnte bluten müssen.

    Es ist nur noch zum Kotzen.

    Man sollte es sich merken: in der ersten Reihe mit den US-Imperialisten marschieren die Polen, Balten, Finnen, Schweden und gleich dahinter die verlotterte EU, also der Rest.

  6. #56
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    AW: Kriegstagebuch

    Ob Klaus von Dohnanyi oder Richard David Precht...jeder, der es wagt auch auf der Seite des Westens nach Fehlern zu suchen...wird als Feind identifiziert und niedergebügelt. Nehme ich den Spiegel als Beispiel...dann werden solche Leute schon herabwürdigend angekündigt...bevor man sie zitiert, um den Lesern die Lesart zu diktieren. So wurde z.B. Precht als Mode-Philosoph angekündigt...damit sagt man dem Leser...der Precht ist sowieso nur eine Modeerscheinung. Das ist Journalismus aus der untersten Schublade. An dieser Stelle mal ein Lob an ARD und ZDF...die um sauberen Journalismus wenigstens bemüht sind. So wird der persönliche Kommentar immer auch unmissverständlich als solcher angekündigt und vom eigentlichen Bericht getrennt präsentiert...meist am Ende der Nachrichten. Noch besser der Sender Phoenix...ein Gemeinschaftsprojekt von ARD und ZDF...der gänzlich ohne persönliche Kommentare seitens der Journalisten auskommt. Dort lässt man unabhängige Experten zu Wort kommen. Aber ansonsten sieht es düster aus...in unserer Medienlandschaft.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  7. #57
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    AW: Kriegstagebuch

    Es gibt nur noch schwarz-weiß. Wer nur ein wenig differenziert, Zusammenhänge heranzieht, Entwicklungen räsoniert, die zur jetzigen Situation geführt haben - 'Fehler des Westens' - wird umgehend zum Putinfreund, Russenversteher, zum Feind erklärt. Keine Vernunft, kein Abwägen mehr. Und willst du nicht meiner Meinung sein, so schlag ich dir den Schädel ein. Ich halte die heutige Situation für ähnlich gefährlich und instabil, unkalkulierbar wie 1914. Und wir wissen, wie das ausging. Nur heute wäre es das totale Ende der Zivilisation auf dem Globus. I don't mind, egal, wenn Mensch sich selbst ausradiert, soll er. Der Planet wird aufatmen.

  8. #58
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Kriegstagebuch

    Rußland steht keineswegs isoliert da. Bei der letzten Abstimmung (eine Art Wasserstandsmeldung) bei der UNO stand es 140:43, bei der vorletzten noch 141:43. Sieht nach einem klaren Punktsieg für die USA aus. Aber so einfach ist die chose nicht. China, Indien und Iran basteln mit Rußland an einem eigenen Wirtschaftsraum, unabhängig von USA und BRD. Das ist mal schlichtweg die Hälfte der Welt, wenn man Afrika, das mehrheitlich auf russischer Seite steht, noch dazunimmt, ist es schon mehr als die Hälfte. Japan löst sich von Rußland und verspielt damit seine Chance auf kurilische Inseln, wo viel Erdgas sein soll. Sieht so aus, als ob wir auch den dritten Weltkrieg verlören, glücklicherweise diesmal ohne uns erst nach Rußland bemühen zu müssen.

  9. #59
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    AW: Kriegstagebuch

    Ich denke, Putin ist sehr, sehr einsam. Und wie es aussieht, will der Westen unter Führerschaft der USA Russland tatsächlich vernichten. Also einen system change mit allen Mätzchen und Folgen. Fragt sich nur, ob das friedlich abgehen kann. Die Bösartigkeit der westlichen Strategie gegen Russland - Einkreisen, wirtschaftlich erdrosseln, ruinieren - die nur ein Ziel kennt: sich den Reichtum an Land, Rohstoffen und Bodenschätzen zu krallen, ist beispiellos. Oder auch nicht. Einen ähnlich totalen Krieg führte nur Hitlerdeutschland. Allerdings nicht so verlogen, sondern mit offenem Visier.

    Die Frage ist für mich: wie wird Putin, wie wird sein engster Kreis reagiern, wenn man von EUSA endgültig gegen die Wand gedrückt, erdrosselt wird? Gibt es dann auch militärisch den totalen Krieg oder nicht? Die Zukunft Russlands und der Russen sehe ich auf Jahrzehnte als völlig demoliert und zerstört an: Sanktionen ohne Ende, auch wenn dieser Krieg enden sollte, wirtschaftliche Erpressung und feindliche Übernahme.

    Ich bin kein Stratege und kein Experte. Aber ich sehe keinen Weg, wie Russland - vor allem das russische Volk - sich des Hasses aus dem Westen erwehren kann.

  10. #60
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Streusalzwiese
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    AW: Kriegstagebuch

    Hätte Russland die ganze Ukraine schon 2014 oder 2015 angegriffen, dann wäre der Widerstand nicht so groß gewesen. Seitdem hat die NATO die ukrainische Armee aufgemöbelt. Wegen den Luftabwehrwaffen können die Russen ihre Hubschrauber nicht effektiv einsetzen. Auch kann man davon ausgehen, dass die NATO die Ukrainer mit den neuesten Satellitenaufnahmen versorgt.
    Bestechen konnten die Russen offenbar auch keinen der ukrainischen Generäle. (Bestechung war einer der Gründe, weshalb die Amis Bagdad relativ problemlos Bagdad einnehmen konnten.)

    Zur Zeit sind der russische Verteidigungsminister und andere hochrangige Politiker verschwunden.
    https://beta.t-online.de/nachrichten...rreichen-.html

  11. #61
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    AW: Kriegstagebuch

    Was ich nicht sagte, jetzt kommt es aus dem white house höchstselbst: Putin muß weg, was nichts anderes als regime change heisst, was nichts anderes heisst, als man will eine US-hörige Marionette im Kreml installieren.

    Biden legt weiter nach, eskaliert und das in Polen, die seit Jahren als Hetzer gegenüber dem Russen auftreten. Bis vor kurzem noch ein Paria in der EU, gilt Polen nun als Musterknabe, weil es in seiner Russophobie die willige Speerspitze abgibt gegen den Russen, gegen Putin und gegen gemäßigte Kräfte bei uns. 1914 kommt immer näher. Btw., wann hat je ein russischer Staatschef einen amerikanischen Präsidenten öffentlich einen Schlächter, einen Kriegsverbrecher oder mörderischen Diktator genannt? Obwohl die Kriegsverbrechen der US-Regierungen denen der Russen um Längen voraus sind. Opferzahlenmäßig und in ihrer Brutalität und bei der gezielten Tötung von Zivilisten. Ich darf erinnern, es waren britische und amerikanische Bomber, die deutsche Städte in Schutt und Asche legten (geschätzte Opfer 600.000), es waren amerikanisch Bomber, die Hiroshima und Nagasaki atomar verwüsteten, es waren amerik. Bomber, die vietnamesischen Urwald samt Einwohnern vergifteten, entlaubten und Napalmbomben warfen, es waren amerikanische Bomber, die im Irak und Afghanistan, in Liybien und wer weiß sonst noch auf der Welt Menschen töteten, für die Freiheit, für Demokratie und amerikanischen way of life.

    Ein Beispiel, wie manipuliert wird: im ZEIT-online Artikel über Bidens Rede steht kaum ein Wort über seine beleidigenden und hetzerischen Ausfälle. Da wird lediglich lang und breit erklärt: Fürchtet euch nicht, wir schützen Polen und Europa. Und unser Drecking-Gas dürft ihr auch teuer einkaufen.

    https://www.diepresse.com/6117248/biden-putin-darf-nicht-an-der-macht-bleiben


  12. #62
    schreibt hier hin und wieder Avatar von Streusalzwiese
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    AW: Kriegstagebuch

    Zitat Zitat von eulenspiegel Beitrag anzeigen
    Was ich nicht sagte, jetzt kommt es aus dem white house höchstselbst: Putin muß weg, was nichts anderes als regime change heisst, was nichts anderes heisst, als man will eine US-hörige Marionette im Kreml installieren.
    Das hat Biden gesagt. Ein Sprecher des weißen Hauses betonte daraufhin, dass Biden mit seinen Worten nicht ausdrücken wollte, dass man einen Regime Change plane. Auch Außenminister Blinken betonte, dass die USA Putin nicht austauschen wolle.

    Jetzt stellt sich die Frage, ob das wieder mal ein Aussetzer Bidens war, oder aber wohlkalkulierte Strategie?

  13. #63
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    AW: Kriegstagebuch

    Um uns recht zu verstehen, ich würde Putin keine Träne nachweinen. Allerdings, was, wenn dann vllt. ein hellerer Kopf nachkäme, der nicht nach der US-Pfeife tanzt? Könnte noch ungemütlicher werden.

    Zu Bidens Ausfällen: nachdem er das mehrfach in den letzten Tagen, immer anders formuliert, gesagt hat, halte ich das für wohlüberlegte Drohungen.

  14. #64
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    AW: Kriegstagebuch

    Zur Zeit platzen viele Träume. Das Ende der Geschichte war keins. Es war vielmehr ein Anfang, ein Aufbruch in eine dystopische Zukunft: Klimawandel, Re-Ideolisierung, Islamismus, Neu-Nationalismus, viele regionale Konflikte und Kriege, Überbevölkerung, Pandemien, hochproblematische Ökologisierung der Produktion und der Lebensweise, Migration usw. bedrohen die süßen Träume der Fortschrittsgläubigen.

    Ein besonders aktueller Traum, der wohl ausgeträumt ist: es gibt keinen ewigen Frieden. Mensch ist grundsätzlich kein friedliebendes Wesen. Friede ist kein Naturzustand. Da geb ich Kant recht. Der Wahn, mittels Weltwirtschaft, freiem Handel und Globalisierung die Welt zu einer friedlicheren Welt zu machen, scheitert an der Realität. Wie jeder Wahn.

    Wir sollten uns hüten, das Böse immer im anderen zu suchen und verorten. Heute ist es Putin, gestern waren es Stalin und Hitler - und immer waren es wir, das Volk en masse, das diesen Figuren die Bühne bot und erarbeitete, auf der sie ihre Schmierenstücke aufführen konnten. Das wirklich Gefährliche an der jetzigen Situation ist die moralische Selbstgewissheit und Arroganz des Westens gegenüber 'dem Russen' - auch dies eine verblendete Kollektivierung.

    Wenn es schon einen ewigen Frieden zwischen den Staaten gegen wird, so sollten wir wenigstens so viel Verstand walten lassen, uns nicht von Gefühlen und Moralvorstellungen überwältigen zu lassen.

  15. #65
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    Zitat eulenspiegel

    Um uns recht zu verstehen, ich würde Putin keine Träne nachweinen. Allerdings, was, wenn dann vllt. ein hellerer Kopf nachkäme, der nicht nach der US-Pfeife tanzt? Könnte noch ungemütlicher werden.
    Das ist eben die vom Westen in die Welt getragene Erzählung...dieser Krieg wäre alleine das Werk Putins. Putin wurde nicht in sein Amt gewählt...sondern von mächtigen Landsleuten (Politik/Militär/Finanzwelt) installiert...um Russland zur alten Stärke zu führen. Es braucht keinen Putin...um einen Nawalny zu verhindern...dieser müsste auch ohne Putin um sein Leben zu fürchten. Putin weg und alles wird gut? Nie und nimmer!
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  16. #66
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    Das ist schon klar, dass Putin kein Alleinherrscher ist und dass man die Tyrannenerzählung im Westen pflegt, weil sich so die Emotionen der Massen besser anstacheln lassen. Allerdings dürfte die russische Führung nicht aus den loyalsten, besten und hellsten Köpfen zu bestehen. Armeeführung, Geheimdienste und Finanzwirtschaft dürften sich ziemlich verkalkuliert haben, was den Widerstand der Ukraine und die eigene Schlagkraft angeht. Putin musste sich auf die Einschätzung dieser Leute verlassen. Und wie es so ist in solchen Kreisen, sind sie meist mit Opportunisten, Karrieristen und Jasagern besetzt. Die Russen sitzen gehörig in der Klemme. Einerseits fürchten sie nichts mehr als Gesichtsverlust, Autoritätsverlust, andererseits sind sie durch die Wirtschaftssanktionen des Westen und die hohe Kampfmoral und wohl auch modernste Ausrüstung der ukr. Kämpfer ganz schön ins Hintertreffen geraten. Das sieht man auch am Einknicken, was die Bezahlung der Brennstoffe durch Rubel angeht. Ein Waterloo Putins und seiner Generaltiät zeichnet sich ab.

    Und jetzt füge ich noch eine steile These hinzu: Der ganze Ukrainekonflikt/-krieg wäre nie so eskaliert, wenn die USA nicht kräftig Öl ins Feuer gegossen hätten. Die USA wollten Europa um jeden Preis von Russland abkoppeln/trennen. Das ging am besten über die Energieschiene. NS2 musste unbedingt verhindert werden. Das ist gelungen. Um den Preis des Ukrainekriegs. Was den Amis nicht nur Wurscht ist, sondern sogar sehr gelegen kommt. Die Beziehungen Europas zu Russland sind nachhaltig gestört, zerstört. Jetzt kann Uncle Sam sein Drecking Gas nach Rotterdam über den Atlantik schippern und gleichzeitig Russland ökonomisch ruinieren. Unsere Politikerriegen jedweder Couleur - mit Ausnahme der AfD - haben sich ausnahmslos als willige Helfer, dummdödelige Marionetten im Dienste des US-Imperialismus erwiesen. Frau Wagenknecht ausgenommen, selbst Gysi bläst kräftig ins Horn der US-Strategen. Und dem von mir einst geschätzten Biermann, scheint ebendieses Gebräu schon das Gehirn erweicht zu haben. Keine einzige wahrnehmbare Stimme aus dem Intellektuellekreis, dem Kulturbereich, die sich dieser Russenhatz entgegensetzt. Sind entweder alle zu einfältig oder zu feige.

  17. #67
    Ist durch nichts wegzugraulen Avatar von anderedimension
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    AW: Kriegstagebuch

    Ich war zwar beim Militär, bin aber kein Militärexperte - für mich war die Zeit beim Militär eher so etwas wie eine spätpubertäre Urlaubszeit. Was ich aber anhand der im TV übermittelten Bildern erkennen kann...ist, dass es sich bei den zu Schrott geschossenen russischen Panzern nicht um den "T14" handelt...sondern vermutlich um ältere Modelle. Sieht also so aus...als ließe Putin seine Auslaufmodelle von den Ukrainern entsorgen. Den T14 kann man gar nicht abschießen...weil der ein System verbaut hat...das jede Munition...die sich im Anflug befindet...vor dem Einschlag zerstört. Der T14 ist der modernste Panzer der Welt und nicht nur aufgrund seiner Agilität und Beweglichkeit selbst unserem Leo2 haushoch überlegen. Muss seine Gründe haben...warum Putin den nicht einsetzt. Bleibt für mich die Frage...ob das gleiche auch für die sonstige Ausrüstung gilt. Dazu passt, dass Putin vor allem junge und unerfahrene Soldaten in den Krieg schickte. Entweder er hatte sich verkalkuliert...gedacht...das würde für die Ukraine reichen...oder sein Plan ist ein noch viel größerer...als manche ohnehin schon vermuten...und er wirft sein Top-Waffen und Top-Soldaten erst dann ins Gefecht...wenn es ums Große und Ganze geht. Wollen wir es mal nicht hoffen. Man täte auf jeden Fall gut daran...den Putin nicht zu unterschätzen. Allerdings...so wie man sich aktuell über ihn und sein Militär äußert...sieht mir das eher nach Leichtsinn aus.
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  18. #68
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    Über die militärische Stärke Russlands kann ich nix sagen. Ich kenne auch das Gerät nicht so gut, wie du. Ich verstehe nur nicht, warum sich Russland absichtlich in so eine beschissene Situation manövrieren sollte. Vielleicht schätze ich aber auch die Lage falsch ein.

    Was anderes. Der ukrainische Botschafter in Berlin, Herr Melnyk, ist ja ein wirklicher Sympathiebolzen. Statt sich für die Hilfe und Unterstützung der Ukraine durch die EU und die BRD wenn schon nicht zu bedanken, dann die Helfer nicht zu beleidigen, teilt er maßlos und beleidigend gegen die aus, die helfen. Dass in Deutschland keine Politiker von Format im Amt sind, erkennt man daran, dass sich keiner findet, der diesem Melnyk mal die Meinung sagt. Duckmäuserei, Ängstlichkeit, vorauseilender Gehorsam allüberall. Von den Intellektuellen ganz zu schweigen. Die sind für mich gestorben. Das sind allesamt Preisabholer, Wetterfahnen und A...löcher.

  19. #69
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Kriegstagebuch

    Für mich sieht das keineswegs nach einer Fehlkalkulation Putins aus. Die Russen rücken systematisch vor, inzwischen haben sie die Schwarzmeerküste bis Cherson. Ob sie wirklich Odessa brauchen, um die Ukraine in die Knie zu zwingen, wage ich zu bezweifeln. Odessa ist wie Kiew eine große Stadt, da gäbe es viele viele Tote, weil Straßenkampf unvermeidlich wäre. Das sah man auch in Mariupol, wo allerdings auch das Nazi-Bataillon kämpfte. In Odessa gäbe es neben der ukrainischen Armee die Mafia, die dort stark ist. Ich glaube, die Mafia sieht lieber die bisherigen Machthaber aus Kiew als die Russen an der Macht. Die Russen aber werden das Wagnis mit Odessa nicht eingehen, obgleich der Sieg dann beinahe vollständig wäre. Ich bin mir inzwischen auch nicht mehr so sicher, ob sie anfangs Kiew einnehmen wollten. Vielleicht war das nur ein Ablenkungsmannöver, um die ukrainischen Kräfte dort zu bündeln? Im Osten der Ukraine stehen sie auf Sieg, fällt Isjum, ist der Weg nach Donezk frei. ein geschlossenes Gebiet. Man darf nicht vergessen, daß die Russen mit höchstens 150000 Mann in die Ukraine einrückten, die Ukrainer dagegen alle ihre Kräfte zur Verteidigung aufbieten und zudem sehr stark von der BRD und Amerika mit Waffen versorgt werden. Der Krieg wäre sonst schon längst zu Ende gegangen und wir wüßten, welche Kriegsziele Putin wirklich verfolgt. Ich glaube nicht, daß er die eroberten Gebiete behalten werden wird. Er wird Referenden verlangen, die der Westen und die Ukraine ablehnen werden. Klar, schließlich können die nur verlieren. Eine weise Lösung wäre die Saarland-Lösung nach dem ersten Weltkrieg; als man das Saarland unter französischer Herrschaft ließ, aber ein Referendum für 1936, glaube ich, in Aussicht stellte, das vom Völkerbund organisiert und durchgeführt wurde. Wenn ich mich recht entsinne, stimmten etwa 90% für den Anschluß ans Reich und nur wenige Prozente für Frankreich. So könnte man das auch in der Ukraine mit all den Gebieten machen, die für Rußland von Bedeutung sind, wo mehrheitlich Russen wohnen. Das fände ich fair, denn ich bin in solchen Fragen basisdemokratisch uind keineswegs ein Freund statuierter Grenzverhältnisse. Meine vorgeschlagene Lösung würde zumindest dazu führen, daß sich die ukrainische Zentralregierung sehr ins Zeug legen würde, um die strittigen Gebiete emotional an sich zu binden, während die Russen da nur zuschauen dürften. Ich glaube, die BRD und die USA würden sich im Helfen überschlagen.



    erstellt vom schweizer Offizier Ralph Bosshard:

    Nach Ausgabe der letzten Mittel und vielleicht am Vorabend weiterer Niederlagen steht Präsident Selenski vor der Frage nach der Weiterführung des Kriegs.

    Mit der massiven russischen Truppenpräsenz auf ukrainischem Territorium hat der Kreml Präsident Selenski ein Problem geschaffen, das er nicht einfach so zur Seite schieben kann. An tragbaren Flieger- und Panzerfäusten kann man erfahrene Berufssoldaten rasch ausbilden, aber mit diesen Waffen lässt sich nur ein Kleinkrieg führen, der keine rasche Vertreibung eingedrungener Truppen aus dem Land zulässt. Dem Westen wäre wohl am liebsten, die Ukraine würde einen lang andauernden Kleinkrieg gegen die russischen Truppen führen, aber viele der aufwändig ausgebildeten ukrainischen Sonderoperationskräfte, die als Jagdkommandos Logistik- und Führungseinrichtungen der Russen angriffen, mussten nach erfolgreichen Schlägen ausweichen. Ein Teil davon wird dabei aufgerieben worden sein. Die Zeit der erfolgreichen hit-and-run-Aktionen könnte sich ihrem Ende zu neigen.
    Wenn die ukrainische Armee die russischen Truppen vertreiben will, dann braucht sie dringend neue Munition für schwere Waffen. Solche Munition dürfte in einsatztauglichem Zustand selbst in den ehemaligen Staaten des Warschauer Vertrags kaum mehr vorhanden sein. Westliche Munition kann die Mehrzahl der Waffen der ukrainischen Armee nicht verschießen. Die Ukraine brauchte aber nicht nur Munition, sondern auch mehr schwere Waffen als Ersatz für jene, die sie in den letzten Wochen verlor. Das müssten solche sein, an denen die Soldaten der UAF (Ukrainische Armee) schon ausgebildet sind, denn an Ausbildung an neuem Gerät ist bei den, unter Druck stehenden ukrainischen Verbänden wohl kaum zu denken. Darüber hinaus muss man in Kiew davon ausgehen, dass sowohl die Lieferung von Waffen und Munition, als auch die Ausbildung daran vom russischen Nachrichtendienst erkannt und unterbunden würden. Das einzige, was Selenskyj helfen würde, wäre eine direkte Intervention der NATO mit massiven Verbänden, die allerdings erst einmal über mehrere hundert km verlegt werden müssten.

    Dadurch, dass sie taktische Erfolge gut verkaufte, gewann die Ukraine den Informationskrieg im Westen. Aber der richtige Krieg ist so nicht zu gewinnen.
    Präsident Selenski kann den Krieg kaum noch weiterführen. Zu gering sind die Erfolgsaussichten und zu hoch die Wahrscheinlichkeit weiterer Niederlagen. Groß ist die Gefahr des Verlusts der Kontrolle über signifikante Teile des Staatsgebiets und der Bevölkerung.
    Russland hat die volle Breitseite westlicher Sanktionen abbekommen und kann ungeniert weiter Krieg führen, soweit seine Kräfte reichen. Das ist der einzige Faktor, der es bremsen könnte. Innenpolitisch hat Putin offenbar wenig zu fürchten, genauso wie außenpolitisch: Wenige Länder außer den bekannten westlichen haben sich den Sanktionen gehen Russland angeschlossen.
    Es ist davon auszugehen, dass Russland eine Pause in den Kampfhandlungen während ernsthafter Verhandlungen nutzen würde, um sich für die Fortführung der Operationen vorzubereiten, falls kein befriedigendes Verhandlungsergebnis zustande kommen sollte. Auch die Ukraine würde solches versuchen, muss sich aber nach erneuten Schlägen der russischen Armee gegen Infrastruktur und Depots darüber im Klaren sein, dass entsprechende Fortschritte rasch zunichte gemacht werden können.
    Die Annahme noch verkraftbarer Bedingen seitens von Russland, inklusive Neutralität und Verzicht auf die Stationierung fremder Truppen im Land, ist für Selenski wohl der bessere Weg im Vergleich zum Anschluss der Ukraine an die NATO, deren politische Schwäche erneut zu Tage trat. Mittlerweile wird man sich in Kiew wohl keine Illusionen über Westeuropa mehr machen. Wenn Neutralität der Ukraine und Verzicht auf Truppenstationierung einmal garantiert sind, kann Russland der Ukraine in territorialen Fragen entgegenkommen.
    Andererseits kann der Kreml die besetzten Gebiete als Faustpfand verwenden. Sollte Russland seine Truppen aber tatsächlich aus der Ukraine abziehen, wird es handfeste Garantien fordern, damit nicht feindliche militärische Kräfte an seiner Grenze aufmarschieren. Ebenso wenig wie feindliche Staaten schätzt Russland schwache Staaten an seiner Peripherie. An einer prosperierenden Ukraine hätte Moskau durchaus ein Interesse, sofern es die Sicherheitsgarantien erhält, die es fordert.
    Nach acht Jahren, in denen die Ukraine, ermutigt durch die USA, die Minsker Abkommen torpedierte, wird man sich auch im Kreml dessen bewusst sein, dass eine Unterschrift Selenskis unter einen Waffenstillstandsvertrag nicht viel bedeuten muss.
    Ein Regime-change in Kiew mit der Auswechslung Selenskis durch einen willfährigen Politiker hätte den Nachteil, dass der neue Präsident nicht anerkannt werden würde und dass Selenski im Ausland eine Exilregierung bilden kann, die den Kampf weiterführt.

    Mit den Verhandlungen mit Russland könne es für Selenski nicht getan sein: Die Lugansker und die Donetsker Volksrepublik werden sich auf den Standpunkt stellen, dass sie jetzt anerkannte politische Gebilde seien und dass Kiew mit ihnen direkt zu verhandeln habe. Die militärischen Erfolge, die sie in den letzten Wochen erzielten, werden sie zu harten Verhandlungspartnern machen. Allenfalls möchten sich diese Gebiete der Russischen Föderation anschließen.
    Im ganzen Verhandlungsprozess spielen Europa, die NATO und die EU keine Rolle. Russland wird sich auch einer Teilnahme von NATO-Mitgliedländern als Garantiemächte für die zukünftige Sicherheit der Ukraine oder Peacekeeper widersetzen. NATO und EU werden sicherlich an Einfluss verlieren, nicht nur in der Ukraine. Kaum jemand wird jetzt mit Verlierern zusammenarbeiten wollen.

  20. #70
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    Mit einer neutralen Ukraine könnten/sollten sich die Ukraine und der Westen schon deshalb anfreunden...weil das keine endgültige Entscheidung...sondern nur eine Vertagung dieser wäre. Wenn Putin dann irgendwann von der Bühne verschwindet...sagen wir mal in zehn Jahren, dann wird man sehen...mit wem man es dann zu tun hat...was dann möglich ist.

    Was die Intellektuellen in unserem Lande angeht, eulenspiegel, da muss ich Dir sanft widersprechen. Es gibt da schon Leute, die der landläufigen Meinung dezidiert widersprechen...oder zumindest auch mal eine andere Perspektive einnehmen, wie z.B. Richard David Precht, aber die werden...sobald sie den Mund aufmachen...niedergebügelt und öffentlich abgewatscht.

    Bezeichnend der Meinungsaustausch von Lafontaine und Röttgen bei Maischberger. Röttgen ging auf Lafontaines Argumente erst gar nicht ein...weil er dann alt ausgesehen hätte.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  21. #71
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    Die Einschätzung des Schweizers hat sicher viel für sich. Militärisch. Was ich nicht teile, dass EUSA und Nato nicht mehr mitspielen. Im Gegenteil, die fühlen sich als Gewinner des Konflikts. Vielleicht sind sie das auch. Das wird sich zeigen. Sie werden jedenfalls nicht ruhen, bis der system change in Moskau erreicht ist. Davon bin ich überzeugt.

    Und was die sog. Intellektuellen angeht, ja, Precht wird abgewatscht. Nuhr hat gestern abend kräftig ausgeteilt. So sehr ich ihn wieder schätzte, da er letztens vorsichtig gegen den Stachel löckte, was Gendern, Identitätspolitik und PC angeht - sosehr verfiel er gestern wieder in das spießige Gekläff eines zwangshumorigen Kleinkünstlers. Da war wieder alles klar, wo die Guten, wo die Bösen. Schade, ich hätte ihm mehr Verstand und Zivilcourage zugetraut. Aber vielleicht bangt er ja nur um seinen Sendeplatz. Aber ansonsten bleibt es dabei 99% unserer geistigen Elite schweigt oder macht sich zum willigen Helfer US-imperialistischer Interessen. *Kotz*

  22. #72
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    Ich habe die gestrige Sendung nicht gesehen...hole ich vielleicht noch nach. Es stimmt...wenn Du sagst, dass 99% der Intellektuellen schweigen...aber nicht nur zu diesem Thema...man hört sie schon lange nicht mehr reden. Darum ist die Sendung "Sternstunde Philosophie" auf 3Sat tatsächlich fast jedes Mal eine echte Sternstunde. Die Gäste sind 1A...ebenso wie die Fragensteller...die durch die Sendung führen...auch. Ich kenne kein Format...weder aus der Vergangenheit...noch aus der Gegenwart...das ähnliches zu bieten hatte...sprich hätte. Es reicht nicht, solche Intellektuelle als Gäste zu haben...man muss ihnen auch die "richtigen" Fragen stellen, damit es zu einer Sternstunde wird.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  23. #73
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    Es ist, so scheint's zumindest, wie in finsteren absolutistischen Zeiten: Es darf nur im Gewande der Philosophie die Wahrheit ausgesprochen werden, natürlich fragend und relativierend. Ich betrachte das mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Unserer Philosophie schadet dieses Vexierspiel sicherlich nicht, es gebiert neue Sterne. Es bricht vielleicht sogar der obwaltenden Diskurskommunikation das Gebälk entzwei. Wäre mir auch recht, ich war in dem Punkt schon immer Kantianer/Popperianer. Soll doch jeder mitreden dürfen udn theoretisieren, bis seine Theorie eben widerlegt werden kann.

    Ein amerikanischer Ökonom namens Sachs hat dieser Tage gemeint (https://www.jeffsachs.org/newspaper-...8gx6bgwjzl3wxm), Europa solle sich nicht vor den Karren der US-Interessen spannen lassen. In den USA gebe es starke Kräfte, die einen langen Krieg in der Ukraine goutieren würden, weil damit erstens das wirtschaftliche Emporkommen Osteuropas unterbunden würde und zudem Rußland entscheidend geschwächt werden könnte. Europa solle lieber auf Verhandlungen und ein schnelles Ende drängen. Das würde Europa, der Ukraine und Rußland gleichermaßen nützen. Jeder Tag länger Krieg nütze den amerikanischen Geostrategien.

  24. #74
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    Polen fordert, Atomwaffen auf seinem Gebiet zu stationieren. Der Staat, der bis zum Ausbruch des Ukrainekriegs noch als Paria in der EU galt, mit Sanktionen bedroht wurde, dessen rechtsnationale PIS-Regierung geächtet wurde, dieser Staat ist plötzlich zum Musterknaben mutiert, eine Speerspitze der Verteidigung europäischer Werte gegen die Barbarei des Russen. Polens Rhetorik ist aggressiver als jede Feldhaubitze und da ist es nur logisch, dass diese wackeren Polen nun auch noch Atomwaffen zur Verteidigung des christlichen Abendlands fordern.

    Die Balten stellen den Gasbezug aus Russland ein und fordern das Gleiche von Rest-Europa. Wenn wir das können, könnt ihr das auch, sagen sie. Da wedelt der Schwanz mit dem Hund. Es wird immer kurioser.

    Finnland will sich der Nato anschließen. Schweden denkt darüber nach. Selbst im zögerlich indifferent neutralen Österreich mehren sich die Stimmen für einen Nato-Beitritt. Obwohl, wir sind lückenlos von Nato-Mitgliedern umgeben. Ein Angriff vom Russen auf Österreich ohne eine Involvierung der Nato ist unmöglich. Wozu beitreten? Ein isolierter Angriff auf das idyllische Ösistan scheint so gut wie ausgeschlossen. Welchen Zweck sollte das erfüllen?

    Und Herr Melnyk hetzt weiter. Dieser Mann ist wirklich ein Sympathiebolzen. Warum werden seine rhetorischen Ausfälle überhaupt zitiert? Ignorieren wäre das Beste.

    Und sonst? Die Gefahr einer Eskalation ist noch nicht vorbei. Da ist noch alles möglich.

  25. #75
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    Man kann über alles reden, aber mitten im Konflikt solche Forderungen zu stellen...damit will man Russland nur provozieren. Das scheint mir wenig hilfreich und äußerst unklug zu sein. Österreich hat nichts zu befürchten...Deutschland schon...denn mit der US Air Base in Ramstein, die größte außerhalb der USA, ist Deutschland Ziel Nr. 1

    Schweden wird den Russen relativ egal sein...aber Finnland wäre ein Provokation...die eine Eskalation nach sich ziehen könnte.
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